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Co-Investments als strategischer Erfolgsfaktor

12. Dez. 2025

Vaishnavi Katamreddy  |  Golding Capital Partners

Co-Investments entwickeln sich zum Knotenpunkt moderner Private-Equity-Portfolios. Vaishnavi Katamreddy von Golding Capital Partners zeigt, worauf es dabei ankommt.

Der Buyout-Markt erlebt 2025 eine Phase ungewöhnlicher Gleichzeitigkeit: Einerseits zeigt sich Selektivität – ausgelöst durch geopolitische Unsicherheiten, Preisdisziplin und eine nach wie vor verhaltene M&A-Aktivität. Laut Pitchbook lag das europäische Buyout-Transaktionsvolumen 2024 rund 25 Prozent unter dem Vorjahr und blieb auch 2025 im ersten Halbjahr unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Gleichzeitig bleiben die strukturellen Treiber intakt. Digitalisierung, Automatisierung, Gesundheitswesen und spezialisierte B2B-Dienstleistungen entwickeln sich unabhängig vom konjunkturellen Rauschen weiter. Diese Gleichzeitigkeit verlangt heute mehr denn je nach Präzision: Breite Allokationen allein erzeugen keine Überrendite mehr. Erfolg entsteht dort, wo Investoren Zugang zu den richtigen Transaktionen erhalten, die Qualität der Manager einschätzen können – und die nötige Flexibilität besitzen, um Kapital zielgerichtet einzusetzen.

Co-Investments spielen in diesem Umfeld eine wachsende Rolle. Nach unserer Beobachtung hat sowohl die Zahl der Co-Investment-Opportunitäten als auch das investierte Kapital in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – begünstigt durch steigende Transaktionsgrößen, Einzelinvestitionslimits der Fonds, ein herausforderndes Fundraising-Umfeld und eine wachsende Nachfrage institutioneller Anleger.

Co-Investments sind nicht länger ein Spezialinstrument für besonders aktive Investoren, sondern entwickeln sich zum strategischen Baustein institutioneller Private-Equity-Portfolios. Ihr Mehrwert entsteht aus einer Kombination aus Zugang, Transparenz, Renditepotenzial und – für viele Investoren zunehmend entscheidend – der Möglichkeit, Cashflows besser planbar zu machen.

Buyout im Small- und Mid-Cap-Segment: Wo in Europa heute Wert entsteht
Im Small- und Mid-Cap-Segment entsteht derzeit ein großer Teil der Wertschöpfung im europäischen Buyout-Markt. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Märkte sind fragmentiert, Geschäftsmodelle häufig Nischenführer mit klarer Differenzierung, die operative Weiterentwicklung gelingt schneller, und die Käuferbasis ist breiter. Für Investoren bedeutet das eine höhere Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Exits – selbst in Phasen, in denen der große M&A-Markt stockt.

Die Qualität der Manager entscheidet hier meiner Meinung nach stärker über den Erfolg als in jedem anderen Segment. Wer über ein tiefes operatives Verständnis verfügt, Strukturen konsequent professionalisiert und Buy-and-Build-Potenziale erkennt, kann auch in einem gedämpften Marktumfeld Wert generieren. Für Co-Investoren entsteht daraus eine interessante Dynamik: Der Zugang zu diesen spezialisierten Managern ist begrenzt, doch Co-Investments öffnen selektiv Türen, die über Primaries allein nicht erreichbar wären.

Ein weiterer Vorteil des Small-/Mid-Cap-Segments ist das breitere Käuferfeld, das kürzere Haltedauern ermöglicht. Im Large-Cap-Bereich, wo IPOs einen großen Teil der Exits ausmachen, sehen wir dagegen bis zu zwei Jahre längere Haltedauern.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade in stagnierenden Marktphasen gute Investments entstehen – nicht trotz, sondern wegen der Zurückhaltung vieler Marktteilnehmer. Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen erhalten weniger Aufmerksamkeit, Bewertungsdisziplin nimmt zu, und Verkäufer sind eher bereit, konstruktive Lösungen zu finden. Co-Investoren, die schnell reagieren und fundiert prüfen können, profitieren davon.

Warum Co-Investments heute einen strukturellen Vorteil bieten können
Dass Co-Investments in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben, liegt nicht nur an Kosten- oder Renditeeffekten. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Sie ermöglichen institutionellen Investoren eine Art von Transparenz, Kontrolle und Flexibilität, die im Private-Equity-Markt lange Zeit schwer erreichbar war.

Ein häufig diskutiertes Risiko ist die „Adverse Selection“ – die Sorge, dass GPs vor allem weniger attraktive Transaktionen anbieten. In der Praxis lässt sich dieses Risiko klar einordnen: Co-Investments werden vor allem genutzt, um große Tickets auf mehrere Investoren zu verteilen oder Konzentrationsrisiken im Fonds zu steuern. Zugang erhalten ausschließlich LPs, zu denen eine langjährige, vertrauensvolle Beziehung besteht. Entscheidender ist die eigene Qualitätssicherung: Professionelle Co-Investoren führen stets eine vollständige, unabhängige zweite Due Diligence durch. Sie analysieren Marktposition, Wachstumstreiber, Kapitalstruktur, ESG-Risiken und Exit-Szenarien – unabhängig von der Perspektive des GPs.

Wir nutzen hierfür unsere 25-jährige Erfahrung und unsere Marktpräsenz, um jede Annahme unabhängig zu validieren. Anstelle eines pauschalen Abschlags erstellen wir eigene Target- und Downside-Cases, die sowohl die GP-Perspektive als auch unsere langjährige transaktionsnahe Erfahrung widerspiegeln.

Ein weiterer Vorteil: No-Fee-/No-Carry-Strukturen verbessern die Netto-Rendite proportional – ein Effekt, der über längere Haltedauern spürbar ist. Vergleichbare Studien gibt es aufgrund der Heterogenität von Transaktionen kaum; ökonomisch ist der Zusammenhang jedoch eindeutig: geringere Gebühren steigern die Rendite eins zu eins.

Wertvoll ist auch die Flexibilität: Co-Investments ermöglichen Investments genau dann, wenn attraktive Gelegenheiten entstehen – nicht nur, wenn ein Fonds Kapital abrufen will. Sie ergänzen Primaries (langfristiger Zugang zu Top-Managern) und Secondaries (Cashflow-Steuerung) und bilden damit den Knotenpunkt einer modernen Private-Equity-Allokation.

Ein professioneller Due-Diligence-Prozess dauert im Co-Investment-Kontext in der Regel 4 bis 8 Wochen und wird von spezialisierten Teams aus 3 bis 4 Investment Professionals gesteuert, unterstützt durch Experten für Financial, Legal, Tax oder Commercial Due Diligence. Die Kosten bewegen sich auf moderatem Niveau, da viele Analysen parallel zur GP-Due-Diligence erfolgen und bestehende Informationen nutzen.

Fokus und Flexibilität – die zwei Prinzipien für Buyout-Investoren
Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre ist, dass sich Buyout-Strategien in anspruchsvollen Marktphasen stärker voneinander unterscheiden. Wer breit investiert, erzielt nicht automatisch Stabilität; wer fokussiert investiert, erreicht nicht automatisch Diversifikation. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Für institutionelle Investoren wird „Fokus“ zunehmend definiert durch drei Fragen:

  1. In welchen Sektoren entstehen über Zyklen hinweg die stabilsten Chancen?
    Technologie, spezialisierte B2B-Dienstleistungen und Healthcare bleiben Kernbereiche, die unabhängig von Konjunkturzyklen strukturelle Nachfrage generieren.
  1. Welche Manager können operativen Mehrwert nachweislich heben?
    Die Fähigkeit, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, bleibt im aktuellen Umfeld der wichtigste Renditetreiber.
  1. Wie entstehen in einer fragmentierten Marktphase robuste Exitmöglichkeiten?
    Gerade in ineffizienten Marktsegmenten werden die besten Transaktionen häufig im Buy-and-Build-Kontext realisiert.

Flexibilität entsteht wiederum aus der Kombination von Zugangswegen: Primaries liefern langfristigen Zugang zu Top-Managern, Co-Investments ermöglichen gezielte und schnelle Allokation, und Secondaries verbessern Cashflow-Planbarkeit und verkürzen J-Curve-Effekte. Co-Investments bilden hier den Knotenpunkt – denn sie verbinden Selektivität mit Kapitalnähe.

Je nach Strategie, Dealflow und Ticketgrößen kann für eine solide Diversifikation ein Portfolio aus zehn bis 15 Co-Investments über mehrere Jahre sinnvoll sein. In der Praxis liegen viele institutionelle Investoren mit ihrer Co-Investment-Allokation im Bereich von 20 bis 30 Prozent ihres PE-Portfolios, größere Programme teilweise darüber. Wichtig ist vor allem, dass Co-Investments als Ergänzung zu Primaries eingesetzt werden.

Transparenz und Governance – Faktoren, die Anleger erwarten
Der Wunsch nach Transparenz steigt kontinuierlich. Für institutionelle Anleger ist das nicht nur eine Frage der Informationsqualität, sondern auch der Governance. Co-Investments liefern beides. Sie ermöglichen einen unmittelbaren Blick auf das Unternehmen – auf seine Kennzahlen, seine Wettbewerbsposition, seine Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Nähe zum Asset schafft Vertrauen und erleichtert die Kommunikation gegenüber Investmentkomitees, Aufsichtsgremien oder privaten Endkunden.

ESG gewinnt zudem weiter an Bedeutung. Studien von Invest Europe und PRI bestätigen, dass Nachhaltigkeitsfaktoren heute zu den zentralen Auswahlkriterien institutioneller Anleger gehören. Da Co-Investments die Auseinandersetzung mit einem einzelnen Unternehmen erzwingen, lässt sich Nachhaltigkeit differenzierter prüfen und in den Investitionsprozess integrieren. Die Fähigkeit, ESG-Aspekte auf Unternehmensebene zu verstehen und zu bewerten, wird zu einem qualitativen Unterscheidungsmerkmal.

Co-Investments jenseits von Buyout: Infrastruktur als komplementärer Baustein
Auch jenseits von Buyout entfaltet die Co-Investment-Logik ihren Wert, insbesondere in der Infrastruktur. Während Buyout stark von operativer Wertschöpfung geprägt ist, steht in der Infrastruktur die Resilienz im Vordergrund: planbare Cashflows, inflationsindexierte Erlöse, regionale Stabilität und die wichtige Rolle essenzieller Anlagen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Co-Investments ermöglichen hier den gezielten Einstieg in nachhaltige und strategisch bedeutende Plattformen – etwa in temperaturgeführter Logistik, erneuerbaren Energien oder digitaler Infrastruktur. Diese Geschäftsmodelle profitieren von langfristigen strukturellen Trends, sind weniger konjunkturabhängig und weisen aufgrund ihres regionalen Charakters geringere Sensibilität gegenüber geopolitischen Schocks auf.

Für Investoren ergibt sich daraus ein Mehrwert: Wer Co-Investments im Buyout nutzt, kann dieselbe Logik in Infrastruktur einsetzen, um Portfolios breiter, stabiler und langfristig robuster auszurichten. Gerade für institutionelle Investoren, die ihre Allokationen entlang langfristiger Trends steuern, bietet Infrastruktur-Co-Investing einen stabilisierenden Gegenpol zu wachstumsorientierten Buyout-Engagements.

Co-Investments als strategischer Hebel in anspruchsvollen Marktphasen
Co-Investments haben sich vom taktischen Instrument zum strukturellen Baustein moderner Private-Markets-Portfolios entwickelt. Ihr Mehrwert entsteht nicht aus einem einzelnen Faktor, sondern aus dem Zusammenspiel aus Zugang, Risikosteuerung, Transparenz und Flexibilität. Sie ermöglichen Investoren, in einem selektiven Marktumfeld gezielt dort zu investieren, wo Wert entsteht und gleichzeitig jene Governance- und Kontrollmechanismen zu nutzen, die in volatilen Zeiten besonders wertvoll sind.

Gerade im Small- und Mid-Cap-Bereich, in dem operative Wertschöpfung und Managerqualität den Unterschied machen, sind Co-Investments ein Schlüssel, der den Weg zu den überzeugendsten Transaktionen öffnet. Für Investoren, die langfristig denken und robuste Portfolios aufbauen wollen, sind Co-Investments daher nicht nur eine Option, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Sie ergänzen Primaries und Secondaries und ermöglichen es institutionellen Anlegern, Portfolios über mehrere Dimensionen hinweg robuster, diversifizierter und liquiditätsstärker auszurichten.

Dieser Artikel erschien am 9.12.2025 im Private Banking Magazin

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