Wohninvestments,

Wohninvestments in Deutschland – Dezember 2025

18. Dez. 2025

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

der Wohninvestmentmarkt gewinnt weiter an Kontur. Während andere Wirtschaftsbereiche schrumpfen, gibt es bei Wohnimmobilien in den meisten Städten mehr Umsätze und mehr Transaktionen Berlin bleibt mit Abstand Deutschlands größter Investmentmarkt . Die politischen Risiken sind bekannt und eingepreist. Wer die Rahmenbedingungen versteht, findet in der Hauptstadt zahlreiche attraktive (Wieder-)Einstiegschancen.

Gleichzeitig wird sichtbar, wie stark der Markt inzwischen von strukturellen Kräften getragen wird. Die Energiewende rückt den Bestand in den Fokus; serielles Bauen und lokal erzeugter Strom machen Modernisierung planbarer als noch vor wenigen Jahren. Und ausgerechnet die politischen Eingriffe, die oft als Risiko gelten, erzeugen in vielen Segmenten jene Verlässlichkeit, die Investoren benötigen: knappe Angebote, stabile Nachfrage und klar umrissene Strategien für unterschiedliche Teilmärkte.

So entsteht ein Marktbild, das weniger von Volatilität geprägt ist als von neu sortierten Rahmenbedingungen. Wer die Logik dieses Umfelds versteht, erkennt: Die Chancen entstehen nicht neben den Herausforderungen, sondern aus ihnen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihre
Jürgen Michael Schick and Holger Friedrichs

BEITRÄGE

Energiepotenziale im Gebäudebestand endlich heben

Cecil von Croy  |  Co-Founder und CEO, Alva Energie

Auf den deutschen Gebäuden liegt ein Energiepotenzial, das bislang nur in Ansätzen genutzt wird. Das gilt besonders für Mehrfamilienhäuser, die im Zentrum der Energiewende stehen sollten. Sie vereinen große Dachflächen, stabile Lastprofile und eine hohe Zahl an Verbrauchern unter einem Anschluss. Diese Kombination macht sie zu einem der wirksamsten Hebel für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Immer mehr Studien bestätigen dies. Die Analyse der IW Medien GmbH im Rahmen des Ariadne Projekts zeigt, dass mehr als 20 Millionen Wohnungen technisch mit Mieterstrom versorgt werden könnten. Rein rechnerisch ließe sich damit ein relevanter Teil des notwendigen PV Ausbaus abdecken.

Die Voraussetzungen sind günstig. Photovoltaik auf Wohngebäuden kann einen erheblichen Teil des Jahresstroms direkt vor Ort bereitstellen und so Netze entlasten und Kosten senken. Das entstehende Lastprofil passt gut zu modernen Energiesystemen, insbesondere wenn Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und perspektivisch Speicher hinzukommen. Der Vorteil eines solchen Systems ist offensichtlich. Der Strom wird dort erzeugt, wo er benötigt wird. Es entfallen Netzentgelte, Transportwege und Preisrisiken. Für Mieter bedeutet das eine spürbare Reduktion der Nebenkosten, für Eigentümer eine stabile Rendite und für das Gesamtsystem eine zuverlässige dezentrale Erzeugung.

Dächer als zentrale Ressource der Energiewende
Trotz dieser klaren Ausgangslage ist der Ausbau bislang verhalten. Das liegt weniger an mangelnder Bereitschaft, sondern an Strukturen, die den Einstieg kompliziert machen. Viele Eigentümer scheuen Messkonzepte, Abrechnungsmodelle und Abstimmungen mit Netzbetreibern. Dabei gibt es längst funktionierende Lösungen. Das Mieterstrommodell ist heute der praktikabelste Weg, um PV im Bestand wirtschaftlich nutzbar zu machen. Ein Dienstleister übernimmt den technischen und energiewirtschaftlichen Betrieb und sorgt für Abrechnung, Bilanzierung und Kundenservice. Für Mieter entsteht ein einziger Vertrag, der PV Strom und Reststrom bündelt. Für Eigentümer reduziert sich der Aufwand auf die Bereitstellung der Fläche und gegebenenfalls die Entscheidung über Investition oder Contracting.

Dächer bieten dafür beste Voraussetzungen. Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE liegt das technische Potenzial deutscher Dachflächen bei mehreren hundert Gigawatt. Bereits heute liefern mehr als drei Millionen Anlagen einen erheblichen Anteil des bundesweiten PV Stroms. Die Praxis zeigt, dass Dachprojekte schnell aktiviert werden können, unabhängig davon, ob Eigentümer selbst investieren oder Modelle wie Pacht und Contracting nutzen. Für Gewerbestandorte kommen Onsite PPAs hinzu, bei denen Strom direkt auf dem Grundstück geliefert wird. Die jüngsten regulatorischen Klarstellungen zur Abgrenzung von Kundenanlage und Direktleitung schaffen hier mehr Sicherheit. Für Wohngebäude erleichtert die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung die interne Weitergabe von Strom, wenn auch ohne die ökonomischen Vorteile eines vollversorgenden Mieterstrommodells.
Photovoltaik auf Dächern wirtschaftlich einsetzen

Ein weiteres Feld mit hohem Nutzen ist die Kombination von Photovoltaik und Gründach. Begrünte Dächer verbessern das Mikroklima, verringern die Modultemperatur und können die Leistung der Anlage steigern. Sie erhöhen gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegen Hitze, entlasten die Kanalisation und verlängern die Lebensdauer der Dachhaut. Für Stadtquartiere entsteht damit ein doppelter Nutzen aus Energieerzeugung und Klimaanpassung.

Die Rolle der Mehrfamilienhäuser wird mit Blick auf die kommenden Jahre weiter an Bedeutung gewinnen. Sie verbinden technische, wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Sie dämpfen Energiekosten, ermöglichen stabile Einnahmen und tragen zur Entlastung der Netze bei. Zugleich schaffen sie eine belastbare Basis für Wärmepumpen und Elektromobilität. Damit diese Potenziale genutzt werden, braucht es klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören transparente Vorgaben für Messung und Abrechnung, einheitliche Prozesse bei Netz und Messstellenbetreibern sowie ein stärkerer Fokus der Politik auf den Gebäudebestand als Kern der Energiewende.

Die Technik ist vorhanden und die Geschäftsmodelle funktionieren. Jetzt kommt es darauf an, die vorhandenen Strukturen so weiterzuentwickeln, dass die Chancen im Mehrfamilienhaus und auf den Dächern der Städte nicht länger ungenutzt bleiben.

Im Takt der Transformation: Serielle Sanierung wird zur Bewegung

Martina Aschauer  |  Leiterin, ELK TECH REFIT

Die Bauwirtschaft zählt zu den größten Treibhausgasemittenten, Gebäude verbrauchen rund 35 % des deutschen Endenergieverbrauchs. Deutschlands ehrgeizige Vision, bis 2045 klimaneutral zu sein, stellt die Branche vor enorme Herausforderungen. Besonders die energetische Ertüchtigung des großen Gebäudebestands ist der zentrale Hebel für nachhaltigen Wandel. Klassische Sanierungsmaßnahmen wirken auf den ersten Blick kostengünstig, doch lange Bauzeiten, steigende Personalkosten und Mietausfälle während monatelanger Arbeiten treiben die Kosten oft erheblich in die Höhe – Kosten, die viele Kunden unterschätzen. Hier setzt die serielle Sanierung an: Sie bietet mehr Effizienz und Qualität, verkürzt die Bauzeit spürbar und ist eine intelligente Antwort auf den Fachkräftemangel.

Energiesprong: die niederländische Blaupause Deutschland
Entscheidender Impulsgeber für die Sanierungsbranche war das niederländische Konzept „Energiesprong“: Statt einzelner Bauteile wird die energetische Gebäudehülle vorgefertigt und digital geplant. Ein 3D-Laserscan liefert die Daten für ein Modell, das als Bauplan für die serienmäßige Fertigung dient. Fenster, Dämmung, Sonnenschutz und Lüftung mit Wärmerückgewinnung sind werkseitig integriert und werden vor Ort schnell montiert. In Deutschland hat die Deutsche Energie-Agentur (DENA) das Prinzip mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums weiterentwickelt. Seit 2023 fördert die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) serielle Sanierungen mit einem Bonus von 15 %, wenn der Effizienzhaus-55-Standard oder besser erreicht wird. Das brachte den Turnaround. Mittlerweile sind über 450 Unternehmen hierzulande in Sachen serieller Sanierung aktiv, rund 50 davon als Komplettanbieter.

Marktentwicklung: vom Nischenprodukt zum Wachstumsmarkt
Der Schritt von der Nische zur breiten Anwendung ist beeindruckend. Im Jahr 2022 lag ihr Anteil an den geförderten Effizienzhaus-Projekten bei lediglich 2 %. Nur zwei Jahre später, sieht das Bild ganz anders aus: 2024 wurde fast jede vierte geförderte Sanierung bereits seriell umgesetzt. Diese Dynamik setzt Kräfte frei – bei steigenden Stückzahlen sinken die Kosten für vorgefertigte Elemente, und auch auf der Baustelle greifen die Abläufe immer besser ineinander. Besonders bemerkenswert: Die offene Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Unternehmen schafft eine Innovationskultur, die ihresgleichen sucht.

Tempo, Qualität, Nachhaltigkeit: Vorteile, die überzeugen
Bis zu zwölf Meter lange, geschosshohe Module werden per LKW angeliefert und präzise ans Gebäude gesetzt. Digitale Zwillinge ermöglichen eine exakte Planung von Produktion und Montage, sodass auch komplexe Abläufe reibungslos funktionieren. Pro Tag können so bis zu 500 m² Fassadenfläche saniert werden – ein Prozess, der früher Monate dauerte, gelingt heute in wenigen Wochen.

Die Werkstattfertigung in kontrollierter Umgebung steigert zudem die Qualität und macht die Arbeit attraktiver – ein wichtiger Vorteil im Fachkräftemangel.

Vom Sanierungsfall zum Energievorbild: zwei Projekte mit Signalwirkung
In Witten wurde eine Wohnanlage aus den 1950er Jahren mit 112 Einheiten seriell saniert – mit vorgefertigten Fassadenelementen inklusive Dämmung, Haustechnik und Photovoltaik. Der Energieverbrauch sank von 145 auf rund 26 kWh/m²a, was einen Sprung von Effizienzklasse E auf A+ bedeutet – bei spürbar verbessertem Wohnkomfort. In Herford wurde der Primärenergiebedarf einer Wohnanlage von 386 auf 49 kWh/m²a reduziert. Photovoltaik auf Dach und Loggien erzeugt zusätzlich jährlich 75 kWh/m²a Strom, was einen Überschuss von 26 kWh/m²a ergibt. Das spart rund 170 Tonnen CO₂ pro Jahr ein und reicht rechnerisch für bis zu 12.000 km emissionsfreie Mobilität pro Wohnung – ein starkes Beispiel für sektorübergreifende Nachhaltigkeit.

Marktpotenzial: Eine Sanierungswelle steht bevor
Die Zahl der potenziell geeigneten Gebäude ist enorm: Rund 2,1 Millionen Mehrfamilienhäuser aus den 1950er bis 1970er Jahren gelten als ideal für eine serielle Sanierung. Auch Einfamilienhäuser und Nichtwohngebäude gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bis 2045 könnten insgesamt bis zu vier Millionen Wohneinheiten und zwei Millionen weitere Gebäude, zum Beispiel Schulen oder Büros, von dieser Methode profitieren. Das geschätzte Marktvolumen beträgt rund 500 Milliarden Euro, die sich zum Großteil durch eingesparte Energiekosten refinanzieren lassen. Damit eröffnet sich für die Bauwirtschaft ein enormes Betätigungsfeld.

Ästhetik als vierte Säule der seriellen Sanierung
Technisch durchdacht, wirtschaftlich attraktiv und ökologisch sinnvoll – doch wie steht es um die gestalterische Qualität serieller Sanierung? Oft wirkt sie noch funktional und pragmatisch. Ohne architektonischen Anspruch droht serielle Sanierung als reines Bauprodukt ohne Haltung zu erscheinen – ein Spielfeld für Systemanbieter statt Gestalter. Dabei zeigen einige Anbieter, dass Standardisierung und Gestaltung sich nicht ausschließen. Statt Fertighauslogik zu kritisieren, sollten Architekten den Takt mitbestimmen: mit kreativen Modulanpassungen und stilvoller Formensprache. Nur so entstehen effiziente, nachhaltige und ästhetische Modelle mit Zukunft.

Wohnimmobilien in Berlin: Ein Markt, der trotz Regulierung Stabilität schafft

Stefan Klingsöhr  |  Geschäftsführer, KLINGSÖHR Projektentwicklung GmbH

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt herrscht seit Jahren ein Spannungsfeld aus politischen Eingriffen, Regulierungsdebatten und planerischen Unsicherheiten. Gleichzeitig entsteht aus diesem Umfeld eine erstaunlich robuste Grundlage für Investoren, die langfristig denken. Die starke Verknappung von Angebot, ausgelöst durch geringe Fluktuation in Beständen und einen stagnierenden Neubau, stabilisiert den Markt und schafft Bedingungen, die in dieser Form selten zu beobachten sind. Wer die Mechanismen dieses besonderen Marktes versteht, erkennt derzeit eine Phase mit ungewöhnlich klaren Einstiegschancen.

Die Diskussionen um Mietpreisbremse, Indexmieten, Vorkaufsrechte oder mögliche Enteignungen prägen die Wahrnehmung des Berliner Marktes. Doch während politischer Druck häufig Unsicherheit signalisiert, führt er in der Praxis zu einer spürbaren Reduzierung des Angebots. Mieterwechsel werden seltener, Investoren zögern bei neuen Projekten und Genehmigungen verzögern sich. Der Neubau, ohnehin unter Kostendruck, verliert weiter an Dynamik. Dadurch entsteht ein struktureller Mangel, der sich besonders im freifinanzierten Neubausegment zeigt. Trotz des Zinsniveaus erzielen gerade fertiggestellte Projekte hier Preise, die das Vertrauen der Marktteilnehmer belegen. Gleichzeitig wächst bei Bestandshaltern die Sorge vor weiteren regulatorischen Verschärfungen. Viele überlegen, sich von Immobilien zu trennen, bevor politische Maßnahmen ihre Rendite dauerhaft beeinträchtigen. Für strategische Anleger ergibt sich daraus ein Zeitfenster, in dem sich Projekte sichern lassen, die in normalen Marktphasen deutlich schwerer zugänglich wären.

Der Berliner Wohnungsmarkt teilt sich derzeit klar in unterschiedliche Teilsegmente, die jeweils eigene Chancen bieten. Im Markt für Zinshäuser dominieren private Käufer und Family Offices. Die Kombination aus verlässlichen Mieterstrukturen, planbaren Erträgen und langfristiger Wertentwicklung sorgt für ein stabiles Umfeld. Im institutionellen Bereich gewinnt die Modernisierung des Bestands zunehmend an Bedeutung. Energetische Sanierungen, ESG-orientierte Optimierungen und professionelles Management schaffen Potenziale, die durch Zertifizierungen zusätzlich flankiert werden können. Der Neubau wiederum bietet über Forward Deals ein vergleichsweise gut kalkulierbares Einstiegsmodell, da Kostenrahmen, ESG-Standards und Cashflows früh festgelegt werden können.

Ein Segment, das lange wenig Beachtung fand, aber inzwischen an Relevanz gewinnt, ist der geförderte Wohnungsbau. Die aktuelle Förderkulisse in Kombination mit der Zinspolitik ermöglicht Verkäufe an kommunale und genossenschaftliche Träger zu gesicherten Konditionen. Diese übernehmen in der Regel sowohl die Finanzierung als auch die Beantragung von Fördermitteln, was die Komplexität erheblich reduziert. Solange die Programme auf Landesebene fortgeführt werden – vieles spricht dafür, dass dies auch über 2025 hinaus gilt – entsteht ein Markt mit verlässlichen Returns und klaren Spielregeln.

Auch innerhalb der Stadt zeigt sich ein differenziertes Bild. In etablierten Lagen wie Charlottenburg, Prenzlauer Berg oder Mitte bleibt die Nachfrage nach Bestandsgebäuden außergewöhnlich hoch. Trotz hoher Einstiegspreise profitieren Käufer von stabilen Strukturen und einem „künstlichen“ Underrent, der langfristige Wertsteigerungen begünstigt. In Bezirken wie Lichtenberg oder Neukölln entstehen Projekte, die geförderte und freifinanzierte Einheiten kombinieren. Diese hybriden Modelle erhöhen die Stabilität und schaffen zusätzliche Flexibilität für Investoren. In Lagen wie Marzahn oder Spandau wiederum eröffnen niedrige Grundstückskosten Chancen für wirtschaftlich darstellbare geförderte Projekte. Die Unterstützung durch die Investitionsbank Berlin und die gesicherte Abnahme durch kommunale Träger erhöhen die Planungssicherheit und machen den Bereich zunehmend attraktiv für institutionelle Anleger.

Wer die Segmente klar voneinander trennt und ihre jeweilige Dynamik versteht, kann in Berlin derzeit sehr gezielt investieren. Ob über baubegleitende Forward Deals, ESG-orientierte Bestandsstrategien oder den Einstieg in geförderte Projekte: Das Zusammenspiel aus struktureller Knappheit, verlässlicher Nachfrage und politischer Unterstützung schafft eine Marktphase, die in dieser Form selten ist. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um Projekte anzubahnen und Kapital sinnvoll zu positionieren. Wer jetzt aktiv wird, sichert sich nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern auch eine langfristige Position in einem der interessantesten Wohnimmobilienmärkte Europas.

Berlin zeigt, wie eingepreiste Risiken einen Chancenmarkt schaffen

Jürgen Michael Schick, FRICS  |  Michael Schick Immobilien

Wenn ich mit Unternehmern aus anderen Branchen über Wohnimmobilien spreche, bekomme ich öfter das Feedback, ich würde den Immobilienmarkt sehr optimistisch sehen. Dieses Feedback ist mir nicht unbekannt, wir Makler gelten ohnehin als so etwas wie Berufsoptimisten. Gern entgegne ich: Ich bin nicht optimistisch, ich lese die aktuellen Zahlen. Und diese Zahlen zeichnen inzwischen ein klares Bild. Was wir in Gesprächen, Verhandlungen und Transaktionen seit Monaten beobachten, spiegelt sich in den Marktdaten und in unserem neuen Wohninvestment-Barometer wider.

Der Rekordindex zieht nach
Der neue Schick Wohninvestment-Index liegt auf Rekordniveau. Mit 59,6 Punkten erreicht er den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung und zeigt, dass der Markt seine Phase der Unsicherheit hinter sich gelassen hat. Der Index fasst die zentralen Ergebnisse des Stimmungsbarometers unter 3.000 privaten und gewerblichen Investoren zusammen und berücksichtigt die erwartete Preisentwicklung, Investitionschancen und Kauf- und Verkaufsstrategien. Mit dem neuen Höchststand bestätigt der Index, was sich bereits in vielen Gesprächen abgezeichnet hat. Die Marktteilnehmer sehen einen attraktiven Rahmen für Investitionen.

Über 80 Prozent rechnen außerdem mit stabilen oder steigenden Preisen, rund 60 Prozent planen neue Ankäufe innerhalb der nächsten 12 Monate. Das ist keine Euphorie, sondern das Verhalten einer Branche, die das neue Preis- und Zinsniveau akzeptiert und wieder aktiv handelt. Der Rekordindex ist deshalb nicht spektakulär, sondern konsequent. Er bestätigt, was der Markt längst vormacht.

Berlin ist der Chancenmarkt
Besonders interessant wird das Bild, wenn wir den Fokus auf Berlin richten. Die Hauptstadt ist mit Abstand der größte deutsche Wohninvestmentmarkt. Unter den 50 größten Städten in Deutschland hat Berlin bezogen auf den Umsatz einen Anteil von 24 Prozent. Und das, obwohl hier wohl die intensivsten wohnungspolitischen Debatten geführt werden – vom gescheiterten Mietendeckel über Vergesellschaftungsinitiativen bis hin zu immer neuen Vorschlägen für Eingriffe ins Mietrecht. Man könnte erwarten, dass diese Gemengelage Investoren abschreckt.

Unsere bundesweite Umfrage zeigt das Gegenteil und bestätigt das, was wir aus dem Markt kennen: das große nationale und internationale Interesse an Berlin. 60 Prozent der deutschlandweit Befragten stufen die Hauptstadt als attraktives Investmentziel ein. Für 45 Prozent von ihnen ist das Bevölkerungswachstum entscheidend, außerdem spielen die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Stärken der Stadt eine wichtige Rolle. Die politischen Debatten Berlins sind bekannt, sie sind Teil der Kalkulation und längst in die Preise eingepreist.

Wer an dieser Stelle einwendet, es handele sich „nur“ um ein Stimmungsbild, findet dieselbe Tendenz in den „harten“ Marktdaten. Der Zinshausmarktbericht Berlin für das dritte Quartal 2025 zeigt, dass die Aktivität noch einmal deutlich angezogen hat. Das Transaktionsvolumen lag bei 728,6 Millionen Euro und damit rund 34 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Durchschnitt wurden in den vergangenen vier Quartalen 195 Verkäufe pro Quartal registriert, rund 20 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Mehr Kapital, mehr Deals, mehr Bereitschaft, zu attraktiven Preisen abzuschließen.

Was heißt das für Investoren?
85 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Marktlage als neutral bis positiv. Das ist kein Stimmungsumschwung aus heiterem Himmel, sondern das Ergebnis eines Marktes, der sich neu sortiert hat.

Berlin nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Die Stadt ist politisch anspruchsvoll, bleibt aber preislich moderat und bietet im bundesweiten Vergleich sehr attraktive Einstiegspreise, die nicht zu ihrer internationalen Bedeutung passen. Wer die Rahmenbedingungen versteht und bereit ist, mit ihnen zu arbeiten, findet hier Chancen, die andere Märkte nicht bieten können.

Der Rekordindex im Wohninvestment-Barometer, die hohe Attraktivität Berlins in der Umfrage und die steigenden Transaktionsvolumina erzählen dieselbe Geschichte: Der Wohninvestmentmarkt verläuft positiv stabil, in Berlin gilt das in besonderer Weise. Sichtbare, eingepreiste Risiken schaffen Chancen für diejenigen, die genau hinschauen.

Man kann das optimistisch nennen. Ich nenne es: Zahlen lesen.

Verschärfter Wohnungsmangel in Berlin erwartet

Im Rahmen eines Wohnungsmarktbarometers der Investitionsbank Berlin (IBB) wurden rund 200 Immobilienexperten befragt, die unter anderem bei Wohnungsunternehmen, Banken, Hausverwaltungen, Immobilienmaklern, in der Wissenschaft oder der Politik tätig sind. Der Umfrage zufolge rechnen die Branchenfachleute mit einem weiteren Angebotsrückgang bei Berliner Mietwohnungen, gerade im unteren bis mittleren Preissegment. Die angespannte Lage auf dem Mietmarkt werde vor allem durch das zu niedrige Angebot verursacht. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage finde sich erstmals seit langer Zeit im obersten Preissegment ab Nettokaltmieten von 20 Euro für den Quadratmeter. Besonders nachgefragt werden laut Umfrage mittelgroße Wohnung mit einer Wohnfläche zwischen 70 und 100 Quadratmetern, die insbesondere im unteren und mittleren Preissegment fehlen. Zusätzlich verschärft werde die Lage durch den zunehmenden Rückgang des Angebots an Sozialwohnungen. Gründe für den anhaltenden Mangel an Wohnraum in Berlin seien nach Angaben der Experten vor allem die hohen Baukosten, dazu kommen Auflagen, lange Baugenehmigungsverfahren sowie strenge Regeln für den Mieterschutz, welche private Investoren abschrecken.

Berlin hat die wenigsten energieeffizienten Wohnungen im Osten

Anhand einer aktuellen Analyse des Postbank-Wohnatlas 2025, der in Zusammenarbeit mit dem Hamburgerischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erstellt wurde, ist das Angebot an energieeffizienten Wohnungen in Berlin für ostdeutsche Verhältnisse unterdurchschnittlich. Dazu untersuchten die Postbank und das HWWI die verfügbaren Kaufangebote mit ausgewiesener Energieeffizienzklasse von A+ (sehr gut) bis D (durchschnittlich) in deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Bei den zehn Großstädten mit dem höchsten Anteil energieeffizienter Wohnungen ist Berlin nicht aufgeführt, stattdessen dominieren ostdeutsche Städte. Berlin schafft es mit einem Anteil von 33,1 Prozent knapp über den Durchschnitt der sieben Metropolen, der sich auf 32,3 Prozent beläuft, und den Durchschnitt aller Großstädte (31 Prozent). Jena erreicht mit einem Anteil von 47,9 Prozent den ersten Platz, Cottbus folgt mit 43,7 Prozent, Chemnitz landet mit 40,1 Prozent auf Platz acht, Erfurt folgt mit 39,7 Prozent. Im Ranking der Preisdifferenzen zwischen energieeffizienten und weniger energieeffizienten Wohnungen in den Metropolen führt Hamburg mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 7.409 Euro pro energieeffizientem Quadratmeter, was einem Aufpreis von 2.545 Euro gegenüber weniger effizienten Flächen entspricht. München weist eine Differenz von 2.256 Euro, Frankfurt von 2.237 Euro auf. Berlin reiht sich mit 1.436 Euro Differenz ins Mittelfeld ein.