Editorial

Einmal Expo, immer Expo

Frisch zurück von der Expo Real, möchten wir Ihnen in einer Sonderausgabe der WID einige Einblicke in die größte Immobilienfachmesse bieten, die dieses Jahr vom 4. bis 6. Oktober stattfand. Welche Entwicklungen gibt es auf dem deutschen Wohnungsmarkt? Wie schätzen Immobilienexperten die Auswirkungen der Bundestagswahl auf die deutsche Immobilienwirtschaft ein? In welchen Regionen und Städten lohnen sich jetzt Investments, und vor allem mit welchen Vehikeln? Wir haben für Sie gefragt und zugehört und berichten Ihnen von den aktuellen Trends aus München.

Wir wünschen Ihnen eine erfrischende und informative Lektüre.

Holger Friedrichs und Jürgen Michael Schick

Beiträge

Jürgen Michael Schick Inhaber MICHAEL SCHICK IMMOBILIEN GmbH & Co. KG

Nach der Wahl haben wir die Chance zu einer neuen Wohnungspolitik

Nach der Bundestagswahl stellt sich die Frage, inwieweit nicht die Verluste von CDU und SPD künftig zu einer anderen Wohnungspolitik in Deutschland führen müssen. Fakt ist: Die Große Koalition mit ihrem Regulierungseifer ist abgewählt. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt für eine neue Immobilienpolitik.

Erinnern wir uns, was seit 2013 geschah. Die Bundesregierung führte die Mietpreisbremse ein, in der Annahme, sie könnte den Wohnungsmarkt steuern. Doch anschließend passierte nichts. Durch das Gesetz wurde keine einzige Wohnung neu gebaut. Im Gegenteil: Im ersten Halbjahr gingen die Neubauzahlen im Wohnungsmarkt sogar zurück. Die SPD hat für ihre Forderungen nun die Quittung erhalten. Denn die Wähler haben verstanden, dass man mit mehr Regulierung keine neuen Wohnungen baut. Stattdessen müssen bessere Rahmenbedingungen für ein investitionsfreundliches Deutschland geschaffen werden.

Nun kristallisiert sich ein mögliches neues Bündnis aus CDU, FDP und Grünen heraus. Niemand kann voraussagen, ob es dann auch tatsächlich schnell dazu kommt. Die SPD übt sich immerhin schon in ihrer neuen Oppositionsrolle. Wir sollten daher der künftigen Regierung schon einmal zu verstehen geben, dass es ein „weiter so“ nicht geben darf. Die Bundeskanzlerin gab bereits vor der Wahl zwei Versprechen ab, an die wir sie im Bedarfsfall erinnern sollten: Sie kündigte einen wohnungspolitischen Gipfel an, wie ihn der IVD bereits im Sommer gefordert hatte. Das halte ich für sehr wichtig. Es müssen Verbände, Baubranche und Politik an einem Tisch zusammenkommen, um über die Wohnungsknappheit in Großstädten zu sprechen. Von dort muss ein klares Signal erfolgen, wie private Investoren beim Wohnungsbau künftig besser unterstützt werden können. Die Wohnungspolitik muss in den Mittelpunkt der politischen Agenda rücken. Und ein zweites Versprechen sollte die Kanzlerin in einer neuen Regierung einlösen: Dass es mit ihr keine Verschärfung der bisherigen Mietpreisbremse geben wird. Am besten hält sie sich da an ihren Wunschkoalitionspartner FDP. Die Liberalen wollen das Gesetz ohnehin komplett abschaffen. In ihrem Wahlprogramm steht die Forderung: Mehr bauen, weniger regulieren!

Dr. Josef Girshovich Mitglied der Geschäftsleitung, PB3C GmbH

Jünger, vernetzter, digitaler – die Expo Real 2017

Die wichtigste B2B-Messe der Immobilienwirtschaft auf dem europäischen Kontinent wird jünger. Plötzlich sieht und trifft man sie: Projektentwickler Ende zwanzig, Anfang dreißig; Unternehmer mit dynamischen Tech-Ideen, die ihre ersten zwei Stationen bei renommierten Beratungsunternehmen hinter sich haben und nun selbständig agieren wollen; ebenso wie Vertreter von Family Offices in dritter Generation – CIOs, CTOs und CFOs, die sich von Vätern und Großvätern emanzipieren, international denken (wird aber auch Zeit) und gegen den Strom verkaufen und investieren. Allen war auf der diesjährigen Expo Real eines gemein: Sie haben eigene Ideen, und sie haben eigene Netzwerke. Wir trafen uns in Kneipen, in Hotels, die noch nicht eröffnet sind, und rund ums Lindwurmstüberl beim Spiel Deutschland gegen Nordirland. Fazit: Das ist die Generation Y in der Immobilienwirtschaft.

Der Generationenwechsel hat klare Folgen für das Zauberwort Digitalisierung. Fest steht: Niemand sollte PropTechs fürchten. Erinnern Sie sich noch an vergangenes Jahr? Digitalisierung in der Immobilienbranche war in aller Munde, und keiner konnte sagen, was das heißt. Dabei sind digitale Angebote letztlich die Erweiterung bestehender Portfolios. PropTechs bieten digitalisierte und – darauf kommt es an – nutzwertig aufgearbeitete Zahlen aus den Untiefen von Microsoft Excel und Gnumeric. Gewiss, alle Unternehmen sind mittlerweile digital. Aber fragen Sie mal nach, ob es auch visualisierte Zahlen gibt – etwa zum gewerblichen Bestandsmarkt inklusive WALT an diesem oder jenem Standort. Lange werden Sie da warten. In a nutshell: Die mit Recht erfolgreichen PropTechs sind die digitalen Hilfswissenschaften der Immobilienbranche – ohne sie läuft nichts, mit ihnen aber noch lange nicht alles. Deswegen verbünden sich zunehmend klassische Investmenthäuser mit den kleinen Innovativbüros. Denn dann profitieren die einen von der digitalen und die anderen von der monetären Erfahrung. Umso wichtiger ist es, sich jetzt mit der nächsten Generation auszutauschen, um mit digitalen Prozessoptimierungen die eigenen Renditeerwartungen zu sichern.