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Alternative Daten bringen den Projekterfolg

2. Feb 2020

Gabriel Khodzitski  |  PREA

Die Planungssicherheit bei Immobilienprojekten hat abgenommen. Selbst vermeintlich verlässliche Baugenehmigungen werden heutzutage je nach politischer Situation infrage gestellt, spontan geändert oder kurzerhand über Bord geworfen. Wurde ein Projekt mit der Gemeinde verhandelt und beschlossen, dann hält die sich auch daran, würde man meinen. Die Realität ist allerdings eine andere: Zusagen, Absprachen und Vereinbarungen haben mittlerweile eine maximale Halbwertszeit bis zur nächsten Bürgermeisterwahl. Größere Bauvorhaben aber dauern von der Idee über die Planung bis zur Realisierung gut und gerne zehn Jahre und länger. In Sonntagsreden gelobt die Politik durchaus gerne Langfristigkeit, in der Praxis jedoch hatten solche Versprechen schon immer wenig Bedeutung.

Die Immobilienwirtschaft kann diese Entwicklung beweinen und sich nach der guten alten Zeit zurücksehnen. Oder aber sie akzeptiert die Gegebenheiten und speist alle Daten und Informationen, die nicht direkt mit dem Projekt zu tun haben, dessen Erfolg aber mittelbar bedingen, mit in die Bepreisung und Kalkulation ein.

Die Rede ist von alternativen Daten, deren Bedeutung für die Immobilienwirtschaft exponentiell zunimmt. Das können Informationen über Bürgervereine, Berichte in der Lokalpresse, Einträge in Blogs oder Diskussionen und Kommentare in den sozialen Netzwerken sein. Manchmal genügt dann allein eine gut platzierte Anfrage in der Bürgerversammlung, und schon findet sich eine Mehrheit für ein Bauvorhaben, das vorher kaum Aussicht auf Erfolg hatte. Umgekehrt kann eine kritische Frage zur falschen Zeit ein eigentlich baureifes Projekt wieder zum Kippen bringen. Die Vielzahl an einzelnen Informationen macht die Steuerung zwar komplexer, dank der Sichtbarkeit dieser Informationen im Internet aber auch strukturierbarer und verlässlicher.

Das Spannende an diesen Daten ist, dass sie tatsächlich beinahe für alle frei zugänglich sind. Anders als bei Informationen mit Immobilienbezug spielt sich die gesellschaftliche und virale Meinungsbildung heutzutage offen und für jeden frei zugänglich im Internet ab. Wer mit klug definierten Kriterien und einem Verständnis für Algorithmik auf die Suche geht, findet beinahe alles, was er benötigt, um den Erfolg und den Wert einer Projektentwicklung zielgenau zu analysieren. Es gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben der beratenden Immobilienwirtschaft, diese Informationen nicht nur passiv zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie in die Erfolgsbeurteilung und Bewertung von Bauvorhaben zu integrieren.

Dieser Artikel erschien am 30.1. in der IMMOBILIEN ZEITUNG.

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