Jürgen Michael Schick  |  IVD

„Die Deutschen sind nicht freiwillig eine Mieternation“

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) hat mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Umfrage zu den Wünschen und Schwierigkeiten der Deutschen hinsichtlich Wohneigentums durchgeführt. IVD-Präsident Jürgen Michael Schick spricht im Interview mit PB3C über die Ergebnisse und darüber, was sie bedeuten.

PB3C: Herr Schick, der IVD hat eine Umfrage zum Thema Wohneigentum durchführen lassen. Was waren die zentralen Ergebnisse?

Jürgen Michael Schick: Die Umfrage spiegelt den klaren Wunsch vieler Mieterhaushalte nach Wohneigentum wider. Die Hälfte der Befragten, die kein Wohneigentum haben, würden gerne welches besitzen. Tatsächlich haben aber nur 19 % jetzt oder für die Zukunft fest geplant, Wohneigentum zu erwerben, während sich das 32 % zwar wünschen, diesen Wunsch aber als unrealistisch betrachten. Das zeigt erstens, dass die sogenannte deutsche Mieternation dies nicht freiwillige ist, sondern eine verhinderte Eigentümernation, und zweitens, dass die Politik mit gezielten Förderungen wirklich etwas bewirken könnte.

PB3C: Warum streben die Menschen denn nach den eigenen vier Wänden?

Jürgen Michael Schick: Bei unserer Umfrage sagte mehr als die Hälfte der Eigentümer und Nichteigentümer mit Eigentumswunsch, dass Wohneigentum ein wichtiger Beitrag zur Altersvorsorge ist. Dem kann ich nur zustimmen. Interessant ist außerdem, dass sich 48 % Unabhängigkeit von einem Vermieter und 44 % Unabhängigkeit von der Entwicklung der Mietpreise wünschen. Bei vielen Menschen ist offenbar angekommen, dass Wohneigentum den besten Schutz gegen steigende Mieten und Verdrängung darstellt.

PB3C: Und wie sollte eine gezielte Eigentumsförderung aussehen?

Jürgen Michael Schick: 68 % der Mieter mit Eigentumswunsch haben angegeben, dass das nötige Eigenkapital eine Schwierigkeit beim Wohneigentumserwerb darstellt. Das ist die mit Abstand meistgenannte Hürde auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden. Die monatlichen Aufwendungen aus Zins und Tilgung, die aus dem Immobilienkredit folgen, stellen dagegen nur für 43 % eine Schwierigkeit dar. Angesetzt werden muss also eindeutig beim Eigenkapital. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine KfW-Bürgschaft für Eigenheimkäufer verabredet, die tatsächlich eine höchst effiziente Maßnahme sein könnte, da sie die notwendige Eigenkapitalhöhe reduziert. Nur leider lässt die KfW-Bürgschaft auch zwei Jahre nach ihrer Ankündigung noch immer auf sich warten.

PB3C: Die Grunderwerbsteuer wird auch immer wieder genannt, wenn es um Eigentumsförderung geht.

Jürgen Michael Schick: Natürlich, es gibt ja auch längst wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass ein Freibetrag für Ersterwerber oder beispielsweise ein Stufenmodell nach britischem Vorbild den Eigentumserwerb deutlich erleichtern würden. Eine Reform der Grunderwerbsteuer wäre außerdem ein echtes Signal der Politik, dass sie es wirklich ernst meint mit der Eigentumsförderung. Es ist immer leicht, Einschnitte bei anderen Akteuren zu fordern, etwa bei der Maklercourtage, die künftig per Gesetz zwischen Käufer und Verkäufer geteilt werden soll, was ja jetzt kommen wird. Solange die Politik aber nicht bereit ist, auch Einschnitte bei den Steuereinnahmen in Kauf zu nehmen, sind die politischen Bemühungen für eine höhere Wohneigentumsquote wenig glaubhaft.

PB3C: Wie realistisch ist aus Ihrer Sicht eine Reform der Grunderwerbsteuer?

Jürgen Michael Schick: Die Aussicht darauf ist natürlich ziemlich gering. Obwohl das der Bundesgesetzgeber regeln könnte. Die Wohnungspolitik ist voll und ganz auf die weitere Regulierung des Mietrechts fokussiert. Das Baukindergeld war eine erfreuliche Ausnahme, aber eben eine Ausnahme. Verlängerung der Mietpreisbremse, Ausweitung des Betrachtungszeitraums bei der Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete, Mietendeckel, Enteignungsfantasien – Wohneigentum wird Stück für Stück unattraktiv gemacht. Dass die Wohnungspolitik aktuell so aussieht, wie sie aussieht, ist aber natürlich noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Wir werden weiterhin für unsere Überzeugungen eintreten. Und meine Überzeugung ist, dass eine höhere Wohneigentumsquote gut für die Menschen in Deutschland wäre.

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