Peyvand Jafari  |  CREO Group

Coworking ist tot – lang lebe das Coworking!

Aktuell sind nicht nur die klassischen Büros wie leergefegt, sondern auch die Coworking-Spaces, Business-Center und ähnliche Flächen. Zwar haben die Anbieter nach wie vor geöffnet, doch viele Mitglieder folgen der Empfehlung ihrer Unternehmen, möglichst im Homeoffice zu arbeiten. Zudem sind manche Start-ups und Freelancer zurzeit nicht in der Lage, wie gewohnt ihrer Arbeit nachzugehen, weil sie keine Aufträge erhalten.

Ganz unabhängig von den akuten negativen Folgen für die Coworking-Anbieter werden vor allem die Akteure im Premiumsegment langfristig eine schwierige Situation erleben. Das Kostenbewusstsein vieler Unternehmen dürfte infolge der Corona-Pandemie deutlich steigen – allein aufgrund der Rezessionsszenarien, die von Tag zu Tag wahrscheinlicher werden. Vor allem diejenigen Coworking-Spaces in Vorzugslagen, die im Hinblick auf Design und Markenbildung entworfen wurden und die Kosten dafür in Form höherer Mitgliedschaftsbeiträge einpreisen, werden verstärkt Probleme bei der Rekrutierung neuer Mitglieder haben.

Anders hingegen sieht die Situation für Coworking- beziehungsweise Flexible-Office-Anbieter im mittleren Preissegment in Randlagen aus, die ihren Mitgliedern vor allem ein funktionales Büro auf Zeit zur Verfügung stellen. Denn das neue Kostenbewusstsein wird wahrscheinlich zur Folge haben, dass zahlreiche Unternehmen, die vor der Krise eigentlich expandieren wollten, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten womöglich keinen langfristigen Mietvertrag abschließen – und stattdessen zunächst in einen Coworking-Space ziehen, um die weitere Entwicklung abzuwarten.

Hinzu kommt noch, dass sich das dezentrale Arbeiten aktuell in den meisten Branchen bewährt und sogar stellenweise effizienter von daheim aus gearbeitet wird, als dies im klassischen Büro der Fall ist. Auf der anderen Seite befindet sich nun einmal wichtiges Equipment nicht in jedem Haushalt – und was den kreativen Ideenaustausch angeht, schlägt die kurze Plauderei an der Kaffeemaschine jedes Zoom-Meeting. Viele Unternehmen werden nach der Krise daher die Grundlage für hybrides Arbeiten schaffen beziehungsweise die existierenden Modelle ausweiten. All diese Punkte sprechen stark für Coworking- oder Flexible-Office-Konzepte, bei denen zum Beispiel ein Vier-Mann-Büro von zehn oder sogar mehr Mitarbeitern über die Woche verteilt genutzt werden kann.

Diejenigen Entwicklungen, die einige Coworking-Anbieter auf eine harte Probe stellen, bergen also gleichzeitig das Potenzial, dass das Coworking an sich hierzulande einen flächendeckenden Durchbruch erlebt. Die Akteure der Immobilienbranche sollten die aktuelle Marktsituation daher zum Anlass nehmen, die einzelnen Anbieter auf Herz und Nieren zu prüfen, um die Zukunftsfähigkeit ihrer eigenen Immobilie auszuloten.