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Berlin bleibt pandemieresistent

6. Jun 2021

Marcus Buder  |  Berliner Sparkasse

Im vergangenen Jahr haben sich alle deutschen Top-Büromärkte erstaunlich robust geschlagen. Die bange Frage lautet jetzt, da die Welt immer noch im Griff der Pandemie ist: Wie lange halten die Büromärkte noch durch? Wie steht es um Konjunktur und Arbeitsmarkt? Wie auch immer die deutsche Wirtschaft durch die bevorstehenden Monate kommt: Der Berliner Büromarkt wird in einer komfortablen Sonderrolle sein. Dafür sprechen vier strukturelle Gründe.

Erstens sind Büros in der Hauptstadt nach wie vor Mangelware. Der Leerstand ist im Jahresverlauf 2020 laut bulwiengesa zwar minimal gestiegen, mit 1,5 % herrscht aber immer noch annähernd Vollvermietung. Kein anderer A-Standort verfügt über weniger Bürofläche je Einwohner. In Frankfurt oder München mit ihren vielen Einpendlern reden wir über mehr als das doppelte Flächenangebot pro Kopf.

Zweitens ist Berlin Deutschlands Start-up-Hub Nummer eins. In dieser Krise ist das von Vorteil, weil die Branche weniger darunter zu leiden hat als andere. Viele Unternehmen gehören im Gegenteil sogar zu den Lockdown-Profiteuren, darunter Internet-Modehäuser und Online-Essenslieferdienste.

Drittens ist Berlin auch die Hauptstadt des öffentlichen Dienstes. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat für das Jahr 2018 ausgerechnet, dass Berlin deutlich mehr Landes- und Kommunalbeschäftigte pro Einwohner zählt als jedes andere Bundesland. Da sind die Bundesbeschäftigten noch gar nicht mitgezählt. Alles in allem sind mehr als 280.000 Personen im weitgehend konjunkturresistenten öffentlichen Dienst beschäftigt, fast jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Hinzu kommen wie an jedem Regierungssitz Heerscharen an Dienstleistern, Medien- und Verbandsvertretern.

Bleibt zuletzt die Frage von Komfort und Sicherheit. Schon nach dem ersten Lockdown waren die Rückkehrbewegungen in Berliner Büros viel ausgeprägter als etwa in London. Einer der Gründe ist der Pendelweg. In London braucht ein Arbeitnehmer im Schnitt 46 Minuten zum Arbeitsplatz, so viel Zeit wollen viele in der Pandemie nicht zweimal am Tag im öffentlichen Nahverkehr verbringen. Dass die Wege in Berlin kürzer sind, macht die Rückkehr ins Büro für die Berliner attraktiver.

Alles in allem dürfte der Berliner Büromarkt gut gewappnet sein. Bleibt zu hoffen, dass diese Sonderrolle kaum zum Tragen kommen muss und alle Städte und Regionen die bevorstehenden Monate gut meistern.

Dieser Artikel erschien am 3.6. in der IMMOBILIEN ZEITUNG.

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