PB3C News

Zins-Volatilität könnte steigen

24. Juli 2026

Evariste Verchere  |  BlueOrchard

Anleiheanleger aufgepasst: Die Volatilität an den Zinsmärkten könnte in den kommenden Monaten zunehmen – und zwar nicht nur vorübergehend, sondern strukturell. Grund dafür ist die US-Notenbank Fed. In ihrem Juni-Meeting hat die Fed erwogen, künftig womöglich weniger konkrete Ausblicke auf ihre Zinsentscheidungen (die sogenannte Forward Guidance) zu geben. Dies könnte zu erhöhter geldpolitischer Unsicherheit führen. Denn mit weniger konkreten Signalen sind die Kapitalmärkte vermehrt auf Makrodaten und individuelle Äußerungen von Fed-Mitgliedern angewiesen. Daraus können sich stärker abweichende Erwartungen an die geldpolitische Richtung ergeben.

Für Anleger bedeutet dies in der Praxis: höhere Volatilität an den Zinsmärkten – insbesondere rund um die Veröffentlichung von Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie Fed-Meetings. In der Vergangenheit hat die Fed den Kapitalmärkten gewissermaßen einen großen Teil der Arbeit überlassen – indem sie die Erwartungen allein durch ihre Kommunikation so gelenkt hat, dass die finanziellen Bedingungen enger oder lockerer wurden.

Im Gegensatz dazu könnten weniger verlässliche Ausblicke dazu führen, dass große Marktteilnehmer sich auf eine größere Bandbreite möglicher Szenarios vorbereiten müssen.

Dies könnte zum einen die kurzfristige Marktvolatilität erhöhen. Zum anderen könnte es aber auch zu einem umsichtigeren Risikomanagement führen und die Resilienz des Finanzsystems erhöhen. Angesichts dessen kann weniger Forward Guidance so auch mehr Möglichkeiten für Anleger schaffen. Unter dem Strich steigt damit das Potenzial aktiven Portfoliomanagements, Mehrrenditen gegenüber dem breiten Anleihemarkt zu erwirtschaften.

Dieser Beitrag erschien am 17.07.2026 in Euro am Sonntag.

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen? Dann schreiben Sie an die Leiter unserer Redaktion Jan Döhler und Kai Gutacker.