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Widerstandskraft in dynamischen Märkten

19. Dez. 2025

Henriette Le Mintier und Guillaume Fradin  |  LBP AM

Bei Anleihen überzeugt jetzt Absolute Return

Die Finanzmärkte stehen seit Monaten unter dem Einfluss wachsender Unsicherheiten. Geopolitische Spannungen, ein schwächeres globales Wachstum und eine zunehmend unvorhersehbare Geldpolitik haben zu erheblichen Ausschlägen an den Anleihemärkten geführt. Britische, US-amerikanische und japanische Staatsanleihen verzeichneten seit dem Frühjahr Schwankungen von bis zu 20 Basispunkten – ein klares Indiz dafür, dass sich die Volatilität strukturell erhöht hat.

Diese erhöhte Unsicherheit ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern dürfte die Kapitalmärkte noch länger prägen. In China bleibt die Wirtschaft auf einem gedämpften Expansionskurs, die europäische Wirtschaft kämpft um eine Erholung, wobei die Hoffnung besteht, dass der deutsche und europäische Konjunkturplan weitgehend umgesetzt wird. Auf der anderen Seite des Atlantiks deutet sich eine Wachstumsabkühlung an, während der Inflationsdruck in den USA anhält. In diesem Umfeld sind flexible, risikobewusste Anlagestrategien gefragt, die auch unter wechselnden Marktbedingungen stabile Ergebnisse erzielen können.

Anhaltend nervöse Anleihemärkte
Makroökonomische Unsicherheiten gehören inzwischen zum Normalzustand. Handelspolitische Spannungen, Energiepreisschocks, strukturelle Veränderungen in der globalen Lieferkette und der zunehmende fiskalische Aktivismus vieler Regierungen verändern die Dynamik der Kapitalmärkte grundlegend. Während die US-Notenbank nach Jahren restriktiver Geldpolitik bereits die zweite Zinssenkung in diesem Jahr gewagt hat, bleibt die Europäische Zentralbank weiterhin vorsichtig. Mit einem Leitzins von derzeit 2 % hält sie sich Spielräume offen, um auf neue Konjunktursignale zu reagieren. Doch die Kombination aus rückläufiger Konjunktur und hoher Staatsverschuldung führt zu anhaltend nervösen Anleihemärkten. Für institutionelle Investoren bedeutet das: Strategien, die sich ausschließlich auf Duration oder einfache Carry-Erträge stützen, reichen nicht mehr aus. Gefragt sind Konzepte, die aktiv zwischen Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken steuern und Renditequellen gezielt diversifizieren.

Das absolute Renditeziel als Maß der Dinge
Eine Absolute-Return-Strategie bietet hier entscheidende Vorteile. Sie löst sich von starren Benchmarkvorgaben und kann in einem breiten Spektrum von Staats-, Unternehmens- und Wandelanleihen, strukturierten Produkten oder auch Derivaten investieren. Ziel ist es, über Marktzyklen hinweg positive, risikobereinigte Renditen zu erwirtschaften – unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder fallen. Der Ansatz stützt sich auf mehrere Säulen: taktische Allokation, Relative-Value-Strategien und gezielte Absicherungen. Entscheidend ist die Fähigkeit, schnell auf neue Marktdaten zu reagieren, Überbewertungen zu identifizieren und Chancen in Nischenbereichen zu nutzen, in denen ineffiziente Preisbildung besteht. Gerade in Phasen erhöhter Volatilität ist diese Freiheit von Benchmarkzwängen ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie ermöglicht, das Durationsexposure aktiv zu steuern oder auch in unkorrelierte Strategien auszuweichen – etwa durch Kreditderivate.

Qualität und Selektion entscheiden im Kredituniversum
Im Kredituniversum haben sich die Spreads zwischen Emittenten mit hoher Bonität und schwächeren Schuldnern zuletzt wieder vergrößert. Unternehmen mit soliden Bilanzen und Investment-Grade-Ratings bieten trotz rückläufiger Wachstumsdynamik weiterhin attraktive risikobereinigte Ertragschancen.

Im Hochzinssegment ist dagegen selektives Vorgehen unabdingbar. Viele Emittenten stehen unter Druck – insbesondere in zyklischen Branchen wie Automobil, Chemie oder Einzelhandel. Gleichwohl sind die Renditen dort attraktiv, sofern Risiken aktiv gesteuert werden. Der gezielte Einsatz von Kreditindizes, Derivaten oder Credit Default Swaps (CDS) kann helfen, unerwünschte Marktrisiken zu begrenzen, ohne auf Renditepotenzial zu verzichten. Auch Bankanleihen bleiben interessant, vor allem vorrangige Tranchen großer europäischer Institute. Die solide Kapitalausstattung und verbesserte Regulierung der vergangenen Jahre sorgen für vergleichsweise robuste Fundamentaldaten, während die Spreads im historischen Vergleich nach wie vor überdurchschnittlich sind.

Breite Basis unabhängiger Renditequellen
Der Mehrwert des Absolute-Return-Ansatzes liegt in seiner Mehrdimensionalität: Statt auf eine dominante Quelle der Wertschöpfung zu setzen, werden verschiedene Performance-Treiber kombiniert. Dazu zählen neben klassischen Kreditpositionen auch taktische Durationstrades, Relative-Value-Strategien zwischen Staatsanleihen, Carry-Positionen in ausgewählten Emerging Markets oder Opportunitäten im Bereich hybrider Anleihen und All-Papiere. Sondersituationen – etwa vorzeitige Rückzahlungen, Kapitalmaßnahmen oder Fusionen – können zusätzliche Ertragsbeiträge liefern. Durch die gezielte Nutzung von Marktineffizienzen entsteht eine breite Basis unabhängiger Renditequellen, die das Portfolio robuster macht und Klumpenrisiken.

Risikomanagement als zentraler Baustein
Ein Absolute-Return-Portfolio zeichnet sich aber nicht nur durch Diversifikation, sondern auch durch die Fähigkeit aus, Volatilität aktiv zu steuern. In einem Umfeld struktureller Unsicherheit wird das Risikomanagement also auch zum Performancefaktor. Zur Anwendung kommen verschiedene Absicherungsinstrumente – etwa Zins- und Volatilitätsarbitrage, Basistransaktionen zwischen Kassa- und Derivatemärkten oder Strategien, die auf Ratingmigrationen und Credit-Spreads setzen. Ziel ist nicht allein die Verlustbegrenzung, sondern auch das Nutzen von Marktverwerfungen als Quelle zusätzlicher Erträge. Ebenso wichtig ist die Liquiditätssteuerung: Gerade institutionelle Investoren benötigen verlässliche Liquidität, um in Stressphasen flexibel agieren zu können. Eine dynamische Allokation zwischen liquiden Staatsanleihen und ausgewählten Spread-Produkten schafft diesen Handlungsspielraum.

Fazit
Das Kapitalmarktumfeld bleibt herausfordernd – geprägt von fragmentierten Konjunktursignalen, wechselhafter Geldpolitik und geopolitischen Risiken. Klassische Buy-and-Hold- oder Benchmark-Strategien stoßen unter diesen Bedingungen an ihre Grenzen. Absolute-Return-Konzepte bieten dagegen die nötige Flexibilität, um Chancen in unterschiedlichen Marktphasen zu nutzen und gleichzeitig Risiken aktiv zu steuern. Durch die Kombination aus Diversifikation, taktischer Steuerung und konsequentem Risikomanagement können sie einen stabilen Beitrag zur Gesamtrendite institutioneller Portfolios leisten.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Intelligent Investors

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