Thorsten Leischke  |  VLR Germany GmbH

Nur nicht den Kopf verlieren

Die allerwenigsten von uns haben jemals eine vergleichbare Situation erlebt. Niemand von uns weiß deshalb, wie lange dieser Corona-Zustand noch anhalten und wie schlimm es am Ende tatsächlich werden wird. Damit meine ich nicht nur die weitere Entwicklung der Pandemie, sondern auch die langfristigen wirtschaftlichen Folgen. Hoffen wir, dass zumindest die erheblichen Einschränkungen nicht umsonst sind, sondern ihren Zweck erfüllen und die Ausbreitung des Virus wirksam verlangsamen. Eine Prognose darüber zu treffen, wie es im Wirtschaftsleben weitergeht und wann sich der Status quo ante wieder einstellt, kann niemand seriös abgeben. Nichts spiegelt diese Ungewissheit derzeit besser wieder als die Entwicklung an den Kapitalmärkten.

Ist es deshalb für Immobilieninvestoren jetzt richtig, in eine Art Schockstarre zu verfallen und alle geplanten Deals vorsichtshalber aufzuschieben oder abzusagen? Ich glaube, das wäre die falsche Reaktion. Als Bestandsinvestor mit einem langfristigen Anlagehorizont muss ich aus fundamentalen Gründen von der Sinnhaftigkeit eines Geschäfts überzeugt sein und sollte mich dabei möglichst nicht von exogenen Schocks treiben lassen. Wenn ich beispielsweise eine attraktive Kaufgelegenheit identifiziert habe, dann gründe ich mein Urteil auf Kriterien wie Lage und Zustand des Objekts, Bestandsmieter, langfristige Vermietbarkeit beziehungsweise Leerstandsrisiko sowie die zu erwartenden regelmäßigen Mieteinkünfte, oder ich entdecke Potenzial für strategische Maßnahmen zur Wertsteigerung. Alle diese Kriterien werden in einer Langfristperspektive nicht maßgeblich vom gegenwärtigen Corona-Umfeld bestimmt – wobei im Einzelfall durchaus Nachverhandlungen der Konditionen angebracht seien können. Aber wer vor dem Hintergrund von Corona ein Immobiliengeschäft absagt, der wird auch vorher schon nicht zu 100 Prozent überzeugt gewesen sein.

Das soll jedoch nicht heißen, dass die Immobilienmärkte von der Coronakrise gänzlich unberührt bleiben. Manche Mietergruppen werden sehr schnell in eine Lage geraten, in der die Liquidität zur Zahlung der Miete oder der Pacht fehlt. Man denke beispielsweise an Gastronomie und Hotels oder bestimmte Einzelhändler. Je nach Schwere der Wirtschaftskrise können zeitweise sogar Wohn- und Büroimmobilien betroffen sein. Fundamental jedoch wird sich an der Flächenknappheit in deutschen Metropolen auch durch das Coronavirus nichts verändern. Deshalb wird ein in der Zeitrechnung vor Corona attraktives Investment auch in der Zeit nach Corona langfristig attraktiv sein. Es gibt derzeit viele Gründe zur Vorsicht – aber keinen Grund für Panik und Schockstarre.