Jürgen F. Kelber  |  Dr. Lübke & Kelber

Werkswohnungen sind keine Sozialromantik

Ob Pflegekraft im Krankenhaus oder Mitarbeiter in einer Kindertagesstätte – Menschen mit wichtigen Berufen, die man einst als gutbürgerlich bezeichnet hätte, können sich heutzutage keine Neubaumiete mehr leisten. Ich halte das für ungerecht. Keine Frage: Massiver Neubau ist die Lösung, um die Wohnungsmärkte zu entspannen. Nur kann Wohnraum oft gar nicht viel günstiger entstehen, wenn wir die steigenden Grundstücks- und Baukosten oder die steuerliche Belastung beachten – und wenn die Entwickler trotz allem wirtschaftlich agieren wollen. Vielleicht liegt die Lösung gerade deshalb in zusätzlichen Akteuren auf dem Wohnungsmarkt, und zwar in solchen, die Neubau schaffen, ohne damit Geld verdienen zu müssen. Ich meine nicht die kommunalen Gesellschaften, die bereits jetzt oft überlastet sind, sondern beispielsweise Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen, also solche Unternehmen, deren Angestellte trotz einer gesellschaftlich sehr wichtigen Arbeit unterdurchschnittlich verdienen.

Für sie könnten neue, soziale Formen der Werkswohnung entstehen. Nicht solche, die aktuell bereits an vielen Orten wieder diskutiert werden. Sie zielen auf hochbezahlte Ingenieure oder auch IT-Spezialisten ab, denen man den Einstieg ins Unternehmen möglichst bequem machen will. Ich denke vielmehr an Werkswohnungen, die sich am unteren Ende des jeweiligen Preisniveaus bewegen. Ein Krankenhaus müsste solche Wohnungen für seine Mitarbeiter bewusst nur als kostendeckend konzipieren. Wie der Anschub gelingen kann, bis später mal die überschaubaren Mietenströme für besagte Kostendeckelung sorgen, ist ein anderes Thema, das zu diskutieren wäre. Ebenso die Frage, ob und wie man die Grenze zu besser bezahlten Kollegen zieht.

Das hat nichts mit Sozialromantik zu tun. Eine Gesellschaft funktioniert schlichtweg nur dann, wenn sich ein hart arbeitender Mensch auch eine Wohnung leisten kann. Im Neubau ist das bereits teilweise nicht mehr gegeben. Vielleicht ist die derzeitige Mietentwicklung ja normal und wir holen nur die Dynamik nach, die andere Länder schon längst gesehen haben. Aber wenn das so ist, dann stimmen die Löhne bei uns eben einfach nicht. Eine soziale Werkswohnung hätte immerhin – im Gegensatz zum Wohnberechtigungsschein und zur Sozialwohnung vom Amt – einen wertschätzenden Charakter. Sie wären ein Incentive zum Job. Natürlich sind auch öffentliche Zuschüsse für solche Wohnungen denkbar. Besser als Mietendeckel oder ähnliche Instrumente, die den Neubau lähmen, wäre das allemal.

Dieser Artikel erschien am 28.2. in der IMMOBILIEN ZEITUNG.

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen? Dann schreiben Sie an den Leiter unserer Redaktion Dr. Josef Girshovich.