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Digitale Betreiber verändern die Investmentlogik für innerstädtische Hospitality

8. Mai 2026

Dr. Fabian Vieregge  |  Centralis Immobilien Management

Die innerstädtische Hotellerie befindet sich derzeit in einer strukturellen Transformation. Neue Betreiberkonzepte und digitalisierte Betriebsmodelle verändern zunehmend die ökonomische Logik urbaner Beherbergungsimmobilien. Besonders im Segment moderner Hotels und Serviced Apartments hat dies spürbar positive Auswirkungen auf das Rendite-Risiko-Profil der (Sub-)Assetklasse.

Bislang war die Assetklasse Hospitality in den vergangenen Jahren bei vielen institutionellen Investoren mit einer gewissen Zurückhaltung verbunden. Neben strukturellen Faktoren wie vergleichsweise hohen Fixkosten und der Abhängigkeit von Nachfragezyklen haben insbesondere Sondereffekte der Corona-Pandemie sowie einzelne Betreiberinsolvenzen zeitweise für zusätzliche Verunsicherung gesorgt. Genau das könnte sich nun ändern. Effizientere Betreiberstrukturen, digitalisierte Betriebsmodelle und neue Nachfrageprofile führen dazu, dass innerstädtische Hospitality-Immobilien heute anders bewertet werden müssen als noch vor wenigen Jahren.

Nach einer Phase der Produktstandardisierung – geprägt durch kleinere Zimmerformate, reduzierte Serviceangebote und klar definierte Markenstrukturen – folgt nun eine deutlich tiefgreifendere Veränderung: die Digitalisierung des operativen Geschäftsmodells. Automatisierte Buchungs- und Zahlungsprozesse sowie digitalisierte Serviceabläufe führen zu einem deutlich geringeren Personaleinsatz und reduzieren die Fixkostenbasis erheblich.

Operative Transformation verändert die Margenstruktur
Gleichzeitig werden klassische Nebenflächen wie großzügige Lobbybereiche, personalintensive Gastronomie oder umfangreiche Konferenzzonen reduziert oder weggelassen. Durch die Repositionierung dieser Flächen als Zimmer steigt die Flächeneffizienz erheblich, weil ein größerer Teil der Immobilie unmittelbar ertragswirksam genutzt wird. Zudem spielen technologisch getriebene Revenue-Management-Systeme eine Schlüsselrolle: Nach jeder einzelnen Buchung wird das gesamte Portfolio automatisch für alle Aufenthaltslängen neu bepreist. Dieser Automatisierungsgrad ist dem klassischen Hotelmanagement strukturell überlegen und entspricht eher dem dynamischen Preismodell digitaler Plattformen.

Die in Deutschland aktiven Modern-Hospitality-Betreiber wie Limehome, Bob W, Stayery oder Numa verändern auf diese Weise strukturell das Topline- und Kostenprofil gegenüber klassischen Hotelkonzepten.

Das Ergebnis sind höhere Einnahmen und geringere Kosten, mithin strukturell höhere operative Margen. Typische Assets dieser Betreiberkategorie erzielen Belegungsquoten von 80 bis 90 Prozent bei einer Bruttomarge von über 60 Prozent – Werte, die für traditionelle Betreiber kaum erreichbar sind.

Stabilere Cashflow-Strukturen
Für institutionelle Investoren ist die hohe operative Marge relevant, weil Moderne Hospitality Betreiber dadurch dauerhaft in der Lage sind, höhere Mietniveaus zu tragen als klassische Hotelkonzepte. Die Überführung solcher strukturell erhöhten Betreibermargen durch handwerklich saubere langfristige, indexierte Double-Net-Miet- oder Pachtverträge führt zu nachhaltig stabilen Cashflow-Strukturen auf der Ebene des dahinterstehenden Immobilieninvestors.

Modern Hospitality nähert sich damit strukturell den Mechaniken etablierter Core+-Segmente an. Die Einstiegsrenditen liegen weiterhin oberhalb klassischer Wohninvestments, während gleichzeitig die operative Volatilität gegenüber traditionellen Hotelkonzepten sinkt. Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Effekt, sondern Ausdruck einer durch Technologie veränderten Marktmechanik.

Konjunkturelle Schwankungen verschwinden damit nicht vollständig, sie können dem Betriebskonzept aber weniger anhaben, weil die hohen operativen Margen als Puffer fungieren. Digital ausgerichtete Betreiber reduzieren ihre Fixkostenbasis, erhöhen die Skalierbarkeit ihrer Prozesse und können flexibler auf Nachfrageschwankungen reagieren. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Phasen stabilisiert dies die operative Ertragslage auf Asset-Ebene und erhöht die Planbarkeit für Eigentümer. Hinzu kommen verbesserte Auslastungen aufgrund einer diversifizierten Gästebasis und erhöhte durchschnittliche Aufenthaltsdauern.

Strukturelle Nachfrage statt touristischer Spitzen
Parallel zur operativen Transformation verändert sich auch die Nachfrageseite für urbaner Hospitality-Produkte. Projektbasierte Arbeit, internationale Mobilität, hybride Arbeitsmodelle und befristete Entsendungen erzeugen Aufenthaltsmuster, die weder dem klassischen Hotel noch dem regulären Wohnmietvertrag entsprechen. Aufenthalte von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen sind heute fester Bestandteil vieler Geschäfts- und Projektstrukturen.

Serviced-Apartment-Konzepte schließen die se Lücke zwischen Wohnen und Hotel. Sie kombinieren die Flexibilität kurzfristiger Aufenthalte mit der Funktionalität möblierter Apartments und adressieren damit eine strukturell gewachsene Nachfrage. Entscheidend ist dabei die Ganzjährigkeit der Nutzung. Standorte mit einer stabilen Mischung aus Geschäftsreiseverkehr, Projektarbeit, Hochschulstandorten oder administrativen Funktionen erzeugen eine kontinuierliche Auslastung und sind weniger von saisonalen Schwankungen abhängig als rein touristische Märkte.

In Deutschland zeigt sich das strukturelle Wachstum dieser Assetklasse besonders deutlich: Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Zahl der Serviced Apartments im Land verzehnfacht. Gleichzeitig sinkt die durch schnittliche Aufenthaltsdauer, während der Freizeitreiseanteil steigt. Beides sind Indikatoren einer sich kontinuierlich verbreiternden Nutzerbasis und der zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit des Formats gegen über klassischen Hotelübernachtungen.

Für Investoren bedeutet dies eine stabilere Nachfragebasis. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Standorts hängt damit weniger von kurzfristigen Nachfragepeaks ab als von seiner strukturellen Einbindung in urbane Wertschöpfungsprozesse.

Betreiberqualität als entscheidender Investmentfaktor
Mit dieser Entwicklung rückt neben der Standortqualität ein weiterer Aspekt stärker in den Mittelpunkt der Investmentprüfung: die Auswahl des Betreibers. Während Hospitality-Investments lange primär über Lage und Gebäudequalität beurteilt wurden, analysieren institutionelle Investoren heute deutlich intensiver die operative Struktur potenzieller Betreiberpartner.

Entscheidend sind dabei Skalierbarkeit der Prozesse, technologische Infrastruktur, Kostenstruktur sowie der Grad der Digitalisierung im laufenden Betrieb. Für Eigentümer entsteht daraus ein direkter Zusammenhang zwischen Betreiberstrategie und Mietfähigkeit. Wer Geschäftsmodell und Kostenstruktur moderner Betreiber wirklich versteht, kann Mietniveaus realistischer einschätzen und Risiken präziser bewerten. Dass führende Betreiber auch in schwierigen Marktphasen – Post-Covid, Post-Ukraine-Schock – operativ profitabel und wachstumsstark geblieben sind, stärkt das institutionelle Ver trauen in das Segment zusätzlich.

Institutionalisierung durch Disziplin

Die strukturelle Neubewertung der Asset klasse hängt jedoch auch nicht allein vom Betreiberkonzept ab. Ebenso entscheidend für den Aufbau institutioneller Produkte ist eine konsequente Transaktions- und Entwicklungsdisziplin. In einem volatilen Marktumfeld entscheidet eine stringente Risikominimierung bereits vor Ankauf – etwa durch fixierte Mietverträge, gesicherte Baukosten, klare Genehmigungssituationen, verlässliche Partnerschaften und nicht zuletzt Know-how über die Besonderheiten der (Sub-)Assetklasse – über die Qualität eines Investments.

Unter diesen Voraussetzungen eröffnet die aktuelle Marktphase neue Chancen für anti- und frühzyklisches Handeln. Insolvenzen, Portfoliobereinigungen und Nachfolgesituationen führen dazu, dass hoch wertige innerstädtische Standorte verfügbar werden, die in früheren Marktphasen kaum zugänglich waren. Kapitalstarke Investoren mit kurzen Entscheidungswegen können solche Situationen nutzen, um attraktive Einstiege in zentralen Lagen zu realisieren und langfristige Werte zu generieren.

Spezialisierte Plattformen haben diesen Trend erkannt. Sie erwerben und repositionieren bestehenden Hotelbestand – häufig off-market aus Insolvenzen oder Nachfolgesituationen – und vermieten ihn langfristig an führende Serviced-Apartment Betreiber. Auf diese Weise liefern sie die Infrastruktur für die Skalierung der neuen Betreibergeneration.

Moderne Hospitality-Immobilien sind nicht länger ausschließlich ein opportunistisches Segment, sondern entwickeln sich – bei entsprechender Strukturierung – zu einer Beimischung in Core- oder Core+-Portfolios mit attraktivem Renditeaufschlag. Der Spread zwischen Einstands- und Stabilisierungsrendite eröffnet strukturelle Wert steigerungspotenziale, die in anderen Nutzungsarten im Core-Segment heute kaum noch erreichbar sind.

Dieser Beitrag erschien am 04.05.2026 in Immobilien & Finanzierung.

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