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Listed Real Estate – Der andere Weg in die Assetklasse

2. Okt. 2026

Karim Rochdi  |  Aventos Group

Immobilien zum Tagespreis – Strukturelle Vorteile gegenüber Direktanlagen und nicht gelisteten Fonds, wie höhere Fungibilität und niedrigere Transaktionskosten

Ein Bürohaus verändert seinen wirtschaftlichen Wert nur selten über Nacht. Bei der Aktie eines Bürobestandshalters ist das hingegen normal. Als die Zinsen 2022 sprunghaft stiegen, war das deutlich zu sehen: Die Zinswende hat die Immobilienmärkte neu vermessen, allerdings nicht überall im gleichen Tempo. An der Börse wurde ein großer Teil der Korrektur unmittelbar in den Kursen abgebildet, während Direktanlagen und klassische Fonds ihre Bewertungen erst nach und nach anpassen. Für Kapitalanleger kann dieser zeitliche Versatz ein interessantes Einstiegsfenster öffnen und Frühindikator sein.

Investoren bis heute skeptisch
Höhere Finanzierungskosten und sinkende Bewertungen hatten Immobilieninvestments durch die Bank unter Druck gesetzt. Viele Investoren sind bis heute skeptisch gegenüber dieser Assetklasse. Doch in dieser Pauschalität ist die Zurückhaltung nicht gerechtfertigt. Und das betrifft nicht nur unterschiedliche Segmente oder Teilmärkte, sondern auch die äußere Form des Investments: Sie entscheidet mit darüber, wann veränderte Marktbedingungen im Preis und damit im Portfolio ankommen – und wie rasch sich darauf reagieren lässt.

Direktanlagen verhalten sich in der Regel eher träge: Bis ein Bürohaus verkauft oder ein neuer Marktpreis festgestellt ist, vergehen oft Monate. Offene und andere nicht gelistete Immobilienfonds verteilen das Kapital über größere Portfolios, ihre Bewertungen folgen jedoch ebenfalls dem Takt des physischen Marktes sowie periodischer Gutachten. Bei offenen Fonds begrenzen zudem Rückgabefristen die Flexibilität, was gerade derzeit viele Anleger schmerzhaft zu spüren bekommen.

Noch wenig beachtete Alternative
Eine in Deutschland oftmals noch wenig beachtete Alternative ist Listed Real Estate, also Aktien börsennotierter Immobilienunternehmen. Weltweit umfasst das Universum rund 3.000 Titel und reicht von breit diversifizierten Bestandshaltern über große Wohnungsgesellschaften bis zu spezialisierten Betreibern von Nischensegmenten wie Rechenzentren. Der entscheidende Unterschied liegt in der Fungibilität: Eine Position kann börsentäglich aufgebaut oder reduziert werden, zu deutlich geringeren Kosten als ein direkter Immobilienkauf.

Auch hinsichtlich Transparenz unterscheiden sich börsennotierte Immobilienunternehmen erheblich vom direkten Immobilienmarkt. Sie zeigt sich zum einen in der Preisbildung: Der Aktienkurs entsteht an der Börse nahezu fortlaufend aus Angebot und Nachfrage und macht sichtbar, zu welchem Preis der Markt ein Unternehmen aktuell bewertet. Zum anderen schaffen Quartalsberichte Transparenz über den Geschäftsverlauf und die Immobilienbewertungen in der Bilanz.

Diese fortlaufende Preisbildung macht Korrekturen früher sichtbar. Analysen der Kursreaktionen auf die Zinswende 2022 zeigen: Börsennotierte Immobilienwerte liefen den Bewertungen nicht gelisteter Immobilien im Zyklus substanziell voraus. Der Kursrückgang war aber nicht bloß Ausdruck von erhöhter Nervosität. Die Börse hat das neue Zins- und Bewertungsregime sehr viel schneller verarbeitet als der Direktmarkt. Dabei muss jedoch nicht jede börsliche Abwertung zwingend durch proportional sinkende Gutachterwerte bestätigt werden. Aktienmärkte können zeitweise auch übertreiben und über fundamentale Anpassungen hinaus korrigieren, oder pauschal ein ganzes Aktiensegment mit abwerten. Genau darin liegt derzeit die interessante Frage.

Die aktuellen Bewertungen sprechen dafür, den Markt wieder genauer zu betrachten. Ende März 2026 notierten europäische Immobilienaktien nach unseren Auswertungen im Durchschnitt 36,6% unter dem Net Asset Value (NAV) ihrer Immobilien-Portfolios. Solche Abschläge können Chancen eröffnen. Entscheidend ist jedoch zu wissen, wodurch sie entstehen.

Ein hoher Abschlag ist kein Kaufargument für sich. Er kann auf eine Überkorrektur der Börse hindeuten, genauso aber auf erwartete Wertverluste im Bestand oder eine ungünstige Finanzierungslage. Ein gutes Beispiel ist das Bürosegment: Europäische Büroaktien notierten Ende März 2026 im Durchschnitt 34,9% unter ihrem NAV. Es kann sich aber ein Blick auf jedes einzelne Büroportfolio lohnen: Wurde der Börsenwert nur mit abgestraft, weil der gesamte Sektor unter Druck geriet? Oder ist die Bewertung fundamental gerechtfertigt, weil das Portfolio veraltet ist, die Leerstände hoch sind und erhebliche Investitionen anstehen? Im ersten Fall bietet der günstige Kurs einen Einstiegsmoment. Im zweiten Fall sollte man die Finger davonlassen.

Der Dreiklang zeigt es
Wichtig ist, nicht nur die Bilanzkennzahlen, sondern auch das physische Immobilienportfolio im Blick zu haben. Denn weder der Börsenkurs allein noch die reine Objektanalyse verraten, ob ein Abschlag Chancen bietet. Der Dreiklang aus Immobilienqualität, Bilanzstärke und Refinanzierung zeigt, ob die Bewertung fair ist. Ändert sich diese Einschätzung, lässt jede Position börsentäglich nachjustieren.

Annäherung ja, Gleichschritt nein
Für einen Einstieg spricht nicht die Erwartung, dass nun sämtliche Immobilienaktien steigen, zumal auch das Zinsumfeld nicht (mehr) dafürspricht. Interessant sind erstens die Differenzierung und zweitens der zeitliche Versatz zwischen den Märkten: Börsennotierte und nicht gelistete Immobilien folgen langfristig demselben Zyklus. Die Börse reagiert nur früher und bisweilen heftiger, doch langfristig nähern sich Marktkapitalisierung und NAV tendenziell wieder an. Auf welchem Weg hängt vom einzelnen Unternehmen und dem individuellen Immobilienportfolio ab: War der Kurseinbruch fundamental gerechtfertigt, kann der Abstand durch weitere Abwertungen des NAV kleiner werden. Ist das Immobilienportfolio dagegen solide aufgestellt und angemessen bewertet, kann die Annäherung über eine Erholung des Aktienkurses erfolgen. Gerade deshalb ist die Auswahl der Unternehmen entscheidend.

Listed Real Estate bietet strukturelle Vorteile gegenüber Direktanlagen und nicht gelisteten Fonds, wie höhere Fungibilität und niedrigere Transaktionskosten. In der aktuellen Marktphase kommt gegebenenfalls ein weiterer Aspekt hinzu: ein selektiv günstiges Einstiegszeitfenster.

Dieser Beitrag erschien am 02.10.2026 in Börsen-Zeitung.

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