Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

was passiert eigentlich, wenn Carsharing und autonomes Fahren aufeinandertreffen? Derzeit bereiten sich die großen Automobilhersteller konsequent auf die Straßenerprobung autonomer Pkw vor. Ein paar Prognosen: Audi sagt 2020, Nvidia sagt 2022, NuTonomy sagt 2022, Delphi und Mobileye sagen 2019, Ford 2021, Volkswagen 2019, Baidu 2019, Toyota 2020, GM sagt spätestens 2020 – dann wollen die großen Hersteller den Markt mit autonom fahrenden Automobilen überschütten. Und an den Mann bringen, versteht sich. Was aber, wenn die Sharing-Ökonomie ebenfalls Schritt hält und sich parallel zu den autonomen Autos auch Nutzungsmodelle jenseits des PKW-Eigentums durchsetzen? Wie wird sich das auf deutsche Industriestandorte auswirken? Und wie auf die Flächennutzungen unserer Städte? Derzeit dient rund ein Drittel aller Großstadtflächen dem Verkehr – dass wir neue Nutzungskonzepte benötigen, liegt auf der Hand. Dass aber die Industrie sich auf eine neue vernetzte Mobilitätsrevolution vorbereitet, zeigen die Rechnenden in unserer Wirtschaft: Die Versicherungswirtschaft bereitet ihre Anleger schon heute darauf vor, dass es in Zukunft weniger KFZ-Versicherungsprämien geben wird.

Ihr

Josef Girshovich

Neue Mobilität verändert Versicherungswirtschaft

Moderne Mobilitätskonzepte könnten die Zahl der Pkw in privatem Besitz drastisch reduzieren. Über die Auswirkungen, die diese Entwicklung für Versicherungen haben könnte, sprach die Neue Züricher Zeitung mit „Swiss Re“-Präsident Walter Kielholz. Das weltweit zweitgrößte Rückversicherungsunternehmen geht davon aus, dass der Anteil der Fahrzeuge in privaten Händen in überschaubarer Zukunft auf 15 Prozent zurückgehen wird. Stattdessen werden Firmenanbieter vor allem in Metropolregionen Autos zur geteilten Nutzung oder mit Fahrservice anbieten. Damit würde für Versicherer ein Großteil des derzeitigen Kerngeschäfts wegbrechen. Um Kunden nicht zu verlieren, betont Walter Kielholz die wichtige Rolle von Digitallösungen für Versicherer, etwa in Zusammenarbeit mit großen E-Commerce-Händlern. Noch hemmten allerdings Cyber-Risiken, wie etwa der Diebstahl von Kundendaten, die Ansatzmöglichkeiten für Rückversicherer. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, plädiert der Präsident der Swiss Re für staatliche Mithilfe.

Deutsche Online-Kunden sind Retouren-Meister

Das Umsatzvolumen des Online-Handels in Deutschland lag 2017 bei 58,5 Milliarden Euro – ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit der stetig wachsenden Zahl an im Internet bestellten Waren steigt jedoch auch die Zahl der Retoursendungen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung und bezog sich auf Zahlen des Beratungsunternehmens EHI. Deutsche Kunden senden Ware laut Branchenangaben besonders häufig zurück. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist die Retoursendung in Deutschland zumeist kostenlos, wodurch Kunden risikofrei mehrere Artikel zum Vergleich bestellen können. Durchschnittlich werden hierzulande 40 Prozent der Pakete nicht behalten. Je nach Art des Produktes – etwa bei Schuhen oder Kleidung – kann der Anteil der Rücksendungen sogar bei 70 Prozent liegen. Für die Logistikbranche bedeuten diese Zahlen einen viel höheren Personal- und Flächenaufwand. Da es finanziell jedoch nicht sinnvoll ist, die Retourenabwicklung ins Ausland zu verlagern, wird das Wachstum des E-Commerce in Deutschland den Bau neuer, ausgefeilter Logistikflächen fordern.

Was leisten Internet-Makler wirklich?

Schon vor Einführung des Bestellerprinzips waren Online-Portale wie Immowelt oder Immobilienscout bei Wohnungssuchenden beliebt. Seit die Kosten für Makler jedoch stets vom Auftraggeber – in den meisten Fällen der Vermieter – getragen werden müssen, ist eine Vielzahl von Maklerportalen im Internet entstanden, die ihre Dienste für kleines Geld anbieten. Die Welt hat eine Auswahl dieser neuen Anbieter untersucht. Viele Portale – so beispielsweise Housy.de, Immobase oder Myrealid.com – funktionieren über ein Mieterprofil, welches von Interessenten ausgefüllt wird. Zwar nimmt das etwas Zeit in Anspruch, dafür sollen die angebotenen Objekte danach besser zu den jeweiligen Anforderungen passen. Die Kosten für die Leistungen der Online-Makler sind sehr unterschiedlich. Mal fallen erst bei erfolgreicher Vermittlung Kosten an (Housy.de), mal müssen Vermieter pro eingestelltem Objekt bezahlen (Myrealid.com). Das Vermieterportal Devepo bietet verschiedene Dienstleistungspakete zwischen 79 und 199 Euro im Monat an. Für Mieter sind die Leistungen der Portale kostenlos.

Digitalisierung erfordert neue Unternehmenskultur

Um eine Digitalstrategie als Unternehmen erfolgreich umsetzen zu können, sollten nicht nur technische Aspekte im Vordergrund stehen. Der Leiter Digitale Transformation der Beos AG, Daniel Seifert-Ziehe, beschreibt für den VBKI Spiegel, welche wichtigen Schritte im Hinblick auf die Unternehmensphilosophie notwendig sind. Im Mittelpunkt sollten stets die Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter stehen. Daraus ergibt sich eine Abkehr vom klassischen Leistungsdenken und festen Kommunikationsstrukturen. Stattdessen sollten alle Beteiligten in den Prozess des digitalen Wandels mit eingebunden werden. Die Digitalisierung, so Daniel Seifert-Ziehe, dient nicht dem Selbstzweck, sondern sollte immer darauf ausgelegt sein, das eigene Geschäftsmodell zu erweitern.