Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

Nutzerdaten sind nicht gleich Nutzerdaten. Es kommt darauf an, wer selbige in die Hände bekommt. Ein Beispiel: Wenn Donald Trump dank Facebook angeblich Wähler für sich gewinnen konnte, ist das unlautere Beeinflussung. Wenn Barack Obama das macht (im Wahlkampf 2012 tat er das), gilt das individuelle Targeting als fortschrittliche Demokratieförderung. Selbst in der digitalen Welt hat die goldene Regel Bestand: Alles ist eine Frage der Inszenierung. Neu ist, dass das nun auch die Medien und Plattformen selbst erfahren. War Facebook gestern noch ein Teil der digitalen Aufklärung, ist das Netzwerk endlich im Orwellschen Totalitarismus angekommen. Die Folgen: Zum einen bleibt abzuwarten, ob Privatsphäre-Anpassungen, wie sie Chief Privacy Officer Erin Egan im Facebook-Newsroom verkündet hat, helfen werden. Zum anderen stimmt Kants Gedanke: „Dass Könige philosophieren, oder Philosophen Könige würden, ist nicht zu erwarten, aber auch nicht zu wünschen: weil der Besitz der Gewalt das freie Urteil der Vernunft unvermeidlich verdirbt.“

Ihr

Josef Girshovich

Der Fehler liegt im System

Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte sich die neue Bundesjustizministerin Katarina Barley zum Fall Cambridge Analytica und Facebook. Barley sagt, die Social-Media-Plattform habe schon durch den Aufbau des eigenen Systems einem Missbrauch gesammelter Daten den Weg geebnet. Nun sei Facebook in der Pflicht, der Bundesregierung gegenüber eine Stellungnahme abzugeben. Auf europäischer Ebene brauche es außerdem Behörden, die die geltenden Datenschutzverordnungen in Zukunft effektiv durchsetzen, fordert die Ministerin. Im Hinblick auf die Vorfälle mit Cambridge Analytica, so Katarina Barley, sollten Plattformen wie Facebook ihre Strategie des Micro-Targetings von Werbeanzeigen für die Nutzer transparent offenlegen.

IWF-Chefin erkennt Krypto-Potenzial an

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), mahnt in ihrem Blog, das disruptive Potenzial von Krypto-Währungen wie Bitcoin nicht zu unterschätzen. Die Welt berichtet, Lagarde bewerte die Möglichkeiten, die dezentrale Währungsformen besonders für Menschen in ärmeren Ländern und ohne Anschluss an die globale Finanzwelt schaffen, als positiv und spannend. Nichtsdestoweniger sei die Anonymität, die mit Krypto-Transaktionen einhergehe, ein Risikofaktor. Daher plädiert Lagarde dafür, Verbraucherschutzmaßnahmen für Verwender von Krypto-Währungen und globale Rahmenbedingungen zu schaffen, um Risiken und kriminelle Aktivitäten zu minimieren. Davon, die Verbreitung von Bitcoin und Co. einzuschränken, rät die Chefin des IWF jedoch ausdrücklich ab.

Disruptive Technologies ist der Start-up-Star der Mipim 2018

Für die Präsentation des – nach Aussagen des Unternehmens – kleinsten drahtlosen Sensorchips der Welt erhielt das norwegische Proptech den ersten Preis der diesjährigen Mipim-Start-up-Competition. Das berichtete die Immobilien Zeitung. Die etwa daumennagelgroßen Sensoren können laut Herstellerangaben 15 Jahre wartungsfrei betrieben werden. So lassen sich im laufenden Objektbetrieb Temperatur- oder Bewegungsdaten zuverlässig ablesen. Mit der Neuentwicklung setzte sich Disruptive Technologies gegen acht weitere Finalisten durch, darunter die französische Büronutzer-Plattform Workwell. Ob der Sieg des Proptechs einen Trend in der Immobilienbranche anzeigt, bleibt abzuwarten. Aus einem weiteren Artikel der Immobilien Zeitung, in dem eine aktuelle PwC-Umfrage zitiert wird, geht hervor, dass ein Großteil der befragten Immobilieninvestoren Proptechs allgemein noch zögerlich begegnen. Etwa 75 Prozent gaben an, sie wollen noch abwarten, welche Produkte sich tatsächlich am Markt etablieren.

Virtuelle Wohnungsbesichtigung

Laut eines Berichts in Die Welt verwenden immer mehr Maklerunternehmen inzwischen Virtual-Reality-Technologien (VR), um ihren Kunden die Wohnungsbesichtigung auch von zuhause oder unterwegs aus zu ermöglichen. Besonders bei Immobilienkäufen im Ausland stellen virtuelle Rundgänge einen großen Vorteil dar. Mithilfe moderner Matterport-Technologie können Wohnungen und Häuser den potenziellen Käufern als 3D-Modell zugänglich gemacht werden, sogar mit realistischer Darstellung des Lichteinfalls. Aber auch der Rundgang per Videokonferenz wird schon von manchen Unternehmen getestet. Zwar vermuten die meisten Makler nicht, dass klassische Besichtigungen durch die neuen Technologien völlig abgelöst werden. Allerdings können Interessenten so bereits vorab einschätzen, ob die Immobilie für sie in Frage kommt. Das spart allen Beteiligten Zeit und kann den Verkauf des Objekts effizienter gestalten. Manche Unternehmen nutzen VR-Rundgänge sogar für Objekte, die sich noch in der Bauphase befinden. So können zukünftige Mieter die Immobilie schon besichtigen, bevor das Fundament gegossen ist – wenn sie möchten, während sie auf dem heimischen Sofa sitzen.