Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

Digitalisierung, Sharing Economy, Vandalismus. Diesen Dreisatz müssen wir untersuchen. Was mir nicht gehört, gehört vielleicht dir – dann respektiere ich dein Eigentum. Wenn wir aber alle etwas nutzen können und es scheinbar niemandem gehört – dann randalieren wir. Das gilt im Kleinen, wie die Financial Times aktuell berichtet: Immer mehr Mobikes und o-Bikes werden zerstört, allein 60 Prozent der GoBees sind in den vergangenen Monaten in Europa mutwillig beschädigt worden. Im Größeren: Car-Sharing-Portale können ein Lied davon singen. Und im ganz Großen – These: Je mehr digitales Home-Sharing, desto weniger Verantwortung empfindet der Nutzer. Kautionen allein werden da nicht helfen, wir brauchen eine Diskussion über Eigentum, Beteiligung und Nutzung im IOT.

Ihr

Josef Girshovich

Große Hoffnung, langsames Internet

Die Zukunft liegt auf dem Land – könnte sie jedenfalls, hat eine aktuelle Umfrage des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) ergeben. Demnach könnten ländliche Regionen durch die voranschreitende Digitalisierung an Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort gewinnen. Das gaben etwa 84 Prozent der vom VKU befragten Firmen an. Die Erhebung richtete sich an mehr als 300 Unternehmen unterschiedlicher Branchen aus 15 deutschen Bundesländern. Wie Spiegel Online berichtet, betrachten 65 Prozent von ihnen den schleppenden Breitbandausbau in der Bundesrepublik als größte Herausforderung ihres Unternehmensfeldes. Die strukturellen Defizite in ländlichen Regionen könnten durch die zunehmende Online-Verfügbarkeit von Dienstleistungen im Bereich Bildung, Medizin oder Wirtschaft reduziert werden. Allerdings verfügen viele Gemeinden in Deutschland bislang noch nicht über ausreichende Bandbreite. Die Hauptgeschäftsführerin des VKU selbst, Katherina Reiche, bezeichnete den Glasfaserausbau als „das wichtigste Infrastrukturprojekt der Legislaturperiode“.

Rhein-Main goes FinTech

Jetzt also auch das Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt und Co. wollen in den kommenden fünf Jahren für FinTechs deutlich attraktiver werden, berichtet die Immobilien Zeitung. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir stellte im Frankfurter Start-up Incubator TechQuartier dazu vor Kurzem einen Plan vor, der die Zahl der Finanz-Start-ups in der Region bis 2022 auf 500 steigern soll. Insgesamt wurde ein Budget von 15 bis 20 Millionen Euro zugesagt, um die Gegend auch für Start-ups insgesamt anziehender zu machen. Um Frankfurt am Main und Umgebung neben Berlin als Start-up-Zentrum zu etablieren, arbeitet das TechQuartier zusammen mit dem US-amerikanischen Accelerator Plug and Play. Unsere Einschätzung: Naja. Schaut man sich an, wie viel Wagniskapital an Start-ups aus Frankfurt geht, kommen Zweifel: Lediglich 0,6 Prozent erhielt Frankfurt – mehr als 70 Prozent gingen in den vergangenen Jahren nach Berlin.

Kryptowährung 1 - die Staatsräson

Als weltweit erstes Land hat Venezuela unter Präsident Nicolas Maduro eine eigene Digitalwährung auf den Markt gebracht. Das berichtete Spiegel Online. Nach Angaben der Regierung habe das krisengeplagte Land bereits am ersten Vorverkaufstag 735 Millionen Dollar mit dem „Petro“ eingenommen. Diese Zahlen sind jedoch unbestätigt. Mithilfe der unabhängigen Staatswährung erhofft sich Venezuela scheinbar, nach Jahren der Inflationskrise und Sanktionen wieder Zugang zu internationalen Finanzmärkten zu erlangen. Neben Venezuela äußerten auch Russland und China bereits Vorhaben, staatliche Digitalwährungen etablieren zu wollen. Die Volksrepublik erforscht daneben derzeit die Möglichkeit eines automatischen Steuereinzugs via Blockchain. In seiner Kolumne warnt Sascha Lobo vor einer Verschiebung des Konzepts Kryptowährung hin zu einem staatlichen Kontrollorgan.

Kryptowährung 2 - die Kantonalräson

Die Stadt Zug im gleichnamigen Schweizer Kanton trägt den Spitznamen „Crypto Valley“. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, ist die Region ganz auf digitale Geschäftsmodelle eingestellt. Bereits über 50 Start-ups rund um Kryptowährungen und Blockchain-Technologien haben sich in der Stadt niedergelassen. Sogar Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hatte seit 2014 zeitweise seinen Wohnsitz in Zug. Der Schlüssel zum digitalen Erfolg scheinen nicht nur die niedrigen Unternehmenssteuern von 14,6 Prozent zu sein. Vor allem die lokalen Behörden ebnen mit einer unbürokratischen und schnellen Arbeitsweise vielen Start-ups den Weg. Die Grundstimmung ist dabei aber nicht zügellos. Ein Großteil der ansässigen Firmen befürwortet strengere Regeln im Finanzmarktrecht zum Thema ICO und Blockchain. Eines der Start-ups in Zug, Lykke, befasst sich beispielsweise mit der Einrichtung einer Art zertifiziertem Handelsplatz für digitale Währungen. Die 30.000-Einwohner-Stadt, in der Verwaltungsgebühren mittels Bitcoin bezahlt werden können, beherbergt eine Fülle von vielversprechenden jungen Unternehmen. Ob sich das Modell etabliert und die Schweiz bald zur „Crypto Nation“ wird, steht indes noch aus.