Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

vor meinem Büro stehen seit Neuestem fünf Mobikes, die nächste Stufe digitaler Mobilität. Mobike ist ein chinesisches Unternehmen, das in Berlin Fahrrad-Sharing anbietet. Also habe ich die App heruntergeladen, mich angemeldet und bin losgefahren. Und während ich vor mich hinkurbelte, fragte ich mich: Wozu überhaupt noch ein eigenes Fahrrad, das mir gestohlen werden kann, wenn überall und immer Mobikes zur Verfügung stehen? Die Kosten für zwei Kilometer beliefen sich auf 50 Cent. Vollgummireifen, fehlende Gangschaltung, viel zu kleine Räder und die noch geringere Tritt-Übersetzung führten dazu, dass ich mehr Kalorien verbrauchte als auf meinem regulären Rad. Außerdem schauten mich viele Leute an, sehr viele – endlich ein Hingucker, dachte ich, was ich auf meinem Stevens Strada natürlich nicht bin. Und drittens hatte ich bei der Anmeldung zugestimmt, dass meine Daten, sämtliche Daten, nach China übermittelt werden – die App nutzt Bluetooth und verlangt Zugriff auf Standort und Kamera. Mit dem Mobike leiste ich also meinen ganz persönlichen Beitrag zur Völkerverständigung, denn jetzt kann irgendwer in China sehen, wie und wo ich langfahre: Nǐ hǎo nach Peking. Freilich, warum muss ich dann auch noch für meine Mobilität zahlen, fragte ich mich, am Ziel angekommen? Wenn Daten die Währung des 21. Jahrhunderts sind, dann müsste das Mobiken doch kostenfrei sein. Das möchte ich auch der Bundesregierung auf den Weg geben: kostenfreier Nahverkehr für alle – aber nur gegen vollständige Datenübermittlung, wie, wo, wann und warum wir fahren!

Mal wieder tief beeindruckt von George Orwell,

Ihr Josef Girshovich

Eine Wohnung, 15 Bitcoin

Würden Sie eine Wohnung in Bitcoin bezahlen? Oder Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren? Darüber macht sich das Handelsblatt Gedanken und berichtet über erste Transaktionen in Dubai. Dort sollen bis zu 50 Wohnungen gegen Bitcoin den Eigentümer gewechselt haben, alles Einheiten im Luxusbereich. Dubai fährt damit eine klare digitale Immobilienstrategie. Bereits im Herbst berichteten zahlreiche Portale übereinstimmend, unter anderem Forbes, dass das Emirat am Persischen Golf auch sein Grundbuchwesen in den kommenden Jahren digitalisieren will. Ziel ist es, das gesamte Grundbuchwesen und die Landregistrierung auf Blockchain umzustellen. Mit Bitcoin zum Wohnungseigentümer ist also bloß der erste Schritt, zeigt aber zugleich die Volatilität der Kryptowährung: Manch ein Anleger, der mit Bitcoin reich geworden ist, zieht seinem Kryptovermögen plötzlich reale Assets vor.

Facebook-Userzahlen rückläufig

Die Annahme, dass der Social-Media-Riese Facebook besonders bei jungen Nutzern an Popularität einbüßt, scheint sich zu erhärten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt. Der US-Marktforscher Emarketer rechnet damit, dass Facebook 2019 zwei Millionen Nutzer unter 25 Jahren verlieren wird. Das Fotoportal Instagram soll hingegen im selben Zeitraum etwa 1,6 Millionen Nutzer gewinnen. Angesichts der jüngsten Quartalszahlen von Facebook, wonach die Mitgliederzahlen stagnieren und stellenweise sinken, äußerte sich die Unternehmensführung allerdings zuversichtlich. Dass User inzwischen weniger Zeit auf der Plattform verbringen, sieht Firmengründer Mark Zuckerberg als Ergebnis einer bewussten Neugewichtung bei Facebook. Seit Kurzem werden Beiträge von Freunden und Familie gegenüber jenen von Unternehmen auf der Plattform priorisiert.

Digitalisierung fordert Paradigmenwechsel

Auf dem neuen Terrain der Digitalisierung muss man sich auch ein Scheitern zunutze machen, schreibt Daniel Seifert-Ziehe, Leiter Digitale Transformation bei der BEOS AG, in der Immobilien Zeitung. Hard- und Softwareentwicklungen durchlaufen mehrere Versionen, bis sie perfekt funktionieren – Seifert-Ziehe sieht hierbei Parallelen zur Digitalisierung in der Immobilienbranche. Auch abgebrochene Projekte können wertvolle Informationen hervorbringen und den Entwicklungsprozess in Immobilienunternehmen vorantreiben. Besonders im Bereich der Gebäudetechnik ist es Seifert-Ziehe zufolge wichtig, neue Technologien auszuprobieren, bevor Entscheidungen für das ganze Portfolio getroffen werden können. Hierzu muss es jedoch eine Abkehr von klassischen Perfektionismusvorhaben geben, hin zur Akzeptanz des Scheiterns als wichtigen Innovationsfaktor

Smart-Home-Anwendungen sind noch die Ausnahme

Mehr als die Hälfte der Deutschen hält Smart-Home-Technologien für sinnvoll, dennoch waren im vergangenen Jahr nur 0,22 Prozent der 325.000 fertiggestellten Wohneinheiten entsprechend ausgestattet. Das berichtet die Immobilien Zeitung. Dabei könnte das Marktvolumen für Smart-Home-Ausstattungen in fünf Jahren mehr als vier Milliarden Euro betragen. In einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wird untersucht, was die Technologie für Privatpersonen schon heutzutage leisten kann. Verschiedene Hersteller wie Apple oder Amazon betten inzwischen ein breites Spektrum von Geräten in die zentrale Smart-Home-Steuerung ein. Allerdings fällt die Ausstattung der eigenen vier Wände durch die Fülle an einzelnen Apps und Systemen noch recht kleinteilig aus. Der Markt für digital gesteuerte Lampen, Heizungen und Klimasysteme wächst indes stetig.