Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

am morgigen Freitag wählt die CDU einen neuen Parteivorsitzenden. Und ich frage mich: Welcher der drei Kandidaten ist der beste für den Digitalstandort Deutschland: Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn? Laut Google müsste Kramp-Karrenbauer die Digitalisierung am besten meistern, sie ist wahrscheinlich politisch im größten Vorteil. Spahn hingegen hat den Blick aus dem Maschinenraum, kämpft er doch als Gesundheitsminister um die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Nur Merz ist auf politischer Ebene ein Digitalisierungsneuling – für ihn ist die Politik der Digitalisierung im Wortsinne Neuland, da sich in den vergangenen neun Jahren hier am meisten verändert hat. Andererseits: Merz hat als Investor mit Sicherheit alle Möglichkeiten des digitalen Fortschritts aktiv genutzt, er weiß also um die Herausforderungen der Wirtschaft. Wie die Wahl morgen auch ausgeht: Die 1001 Delegierten sollten sich nicht nur von Sehnsüchten und kurzfristiger Pfründensicherung leiten lassen, sondern auch im Blick haben, wer Deutschland am erfolgreichsten durch die digitale Revolution führen kann.

Gespannt nach Hamburg blickend,

Ihr Josef Girshovich

Digital-Gipfel: Deutschland soll KI-Weltspitze werden

Beim nunmehr zwölften Digital-Gipfel der Bundesregierung in Nürnberg wurden Anfang der Woche digitale Zukunftsvisionen zu Themen wie Breitbandausbau, künstliche Intelligenz und Datenschutz für die Bundesrepublik diskutiert. Darüber berichtete die Süddeutsche Zeitung. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte unter anderem einen verantwortungsvollen Umgang mit Nutzerdaten: Die Digitalisierung solle für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) pochte auf die zukunftsweisende Wichtigkeit der künstlichen Intelligenz (KI). KI sei die wichtigste Technologie seit der Dampfmaschine. Laut der im November veröffentlichten KI-Strategie der Bundesregierung sollen bis 2025 rund drei Milliarden Euro in die Entwicklung gesteckt und 100 neue Professuren im Bereich KI geschaffen werden. Damit werde der Abwerbung deutscher Fachkräfte durch US-Großkonzerne entgegengewirkt. Fraglich bleibt aber, ob innerhalb dieses Feldes überhaupt genug Nachwuchs existiert, um die Stellen zu besetzen. KI-Experten kritisierten bei dem Gipfel außerdem, dass ein Label namens „Artificial intelligence made in Germany” etabliert werden soll, wobei gleichzeitig auf die Bedeutung europäischer Lösungen hingewiesen wird.

Drohnen-Lieferdienst Wing startet in Europa

Das aus Googles Entwicklungsabteilung X Labs stammende Unternehmen Wing wird ab 2019 seine Lieferdrohnen in Helsinki einsetzen. Das berichtete t3n.de. Die finnische Hauptstadt bildet das Testgebiet für den europäischen Markteinstieg des Unternehmens. Bis dato hatte Wing seine Fluggeräte in den USA getestet. Die kleinen, „Hummingbird“ (deutsch: Kolibri) genannten Fluggeräte erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 125 Stundenkilometern. Mithilfe der Drohnen können Kunden sich ihre Bestellungen direkt an die Haustür oder auch an ihren aktuellen Standort liefern lassen. Aus Sicherheitsgründen landet das Fluggerät jedoch nicht, sondern setzt das Päckchen an einer Seilwinde auf dem Boden ab. Die ersten Flüge der Hummingbirds sollen im Frühjahr 2019 stattfinden. Bis dahin werden nördlich der finnischen Stadt Tampere Testflüge durchgeführt, um die Auswirkungen der Kälte im Winter auf das Flugverhalten zu prüfen.

Verhandlungen um Digitalsteuer vorerst gescheitert

In der Debatte um die Einführung der umstrittenen europäischen Digitalsteuer betonen Deutschland und Frankreich in einer gemeinsamen Erklärung ihre Entschlossenheit, eine faire und wirksame Besteuerung großer Digitalunternehmen einzuführen. Das war auf tagesschau.de zu lesen. Damit hatten beide Länder einen Kompromissvorschlag geliefert, der eine Umsatzsteuer von drei Prozent auf Online-Werbeerlöse vorsieht. Ein Drittel der EU-Mitgliedsstaaten, allen voran Schweden, Finnland, Dänemark und Irland, lehnen jede Art einer gesonderten Digitalsteuer für Unternehmen wie Amazon und Google kategorisch ab. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte sich eine rasche Verabschiedung der Steuer erhofft, um im Europawahlkampf mit dem Thema Steuergerechtigkeit überzeugen zu können. Nun sind die Verhandlungen im EU-Parlament jedoch vorerst gescheitert. Anfang nächsten Jahres soll die Debatte erneut aufgegriffen werden.

5G: Apple wartet ab und überlässt Samsung das Feld

Tech-Gigant Apple plant, mit der Veröffentlichung des nächsten iPhones noch bis mindestens 2020 zu warten. Das geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor. Die Verzögerung gibt Konkurrenten wie Samsung Electronics einen Vorsprung. Die neue Smartphone-Generation mit 5G-Verbindung wird deutlich schnellere Datengeschwindigkeiten vorweisen können als aktuelle Geräte. Samsung möchte seine neuen Modelle bereits im kommenden Jahr auf den Markt bringen. Für Apple war die Strategie des Abwartens mit den Vorgängermodellen der 3G- und 4G-Generation ein wichtiger Marktvorteil. Die Spekulation: Während die Konkurrenten gleich zur Einführung eines neuen technologischen Standards auf den Markt drängten, wartete Apple die anfänglichen Startschwierigkeiten ab und veröffentlichte seine Geräte erst zu einem späteren Zeitpunkt. Damit gelang dem Unternehmen meist ein vergleichsweise reibungsloser Roll-out. Diesmal könnte diese Strategie jedoch nach hinten losgehen, warnen einige. 5G bringe einen viel größeren Geschwindigkeitsvorteil mit sich, was Kunden bereits früh zum Kauf bewege. Apple äußerte sich bislang nicht zu diesem Thema. Allgemein verlangsamen sich die Upgrade-Zyklen im Bereich Hardware. Apple könnte also auch erneut goldrichtig liegen.