Dr. Josef Girshovich PB3C GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

was bleibt eigentlich, wenn wir alles digitalisiert haben? Wenn die Banken automatisiert sind, wenn die Supermärkte keine Kassen mehr haben, wenn wir alle Waren per Bling, Snap, Wort, Gedanken bestellen und bezahlen können? Gibt es dann überhaupt noch Bedarf für Geld im klassischen Sinne oder gar Bitcoins, Ether und sonstige Tokens? Unser Verständnis von Daten und Informationen befindet sich in einem Umbruch. Vor Kurzem sprachen wir noch davon, dass Daten einen bestimmten Wert haben: Sie sollen das Öl eines neuen Zeitalters sein. Mit Daten lässt sich handeln, lassen sich potenzielle Kunden bis hin zu ganzen Märkten identifizieren. Denken wir diesen Prozess aber weiter, dann haben Daten nicht mehr einen bestimmten Wert, sondern werden selbst zur Währung. Und der Wert dieser Währung hängt von jedem einzelnen von uns ab: Je spannender die Interessen, die Meinungen, die Assoziationen eines Menschen sind, desto nachgefragter wird sein Datensatz sein.

Ihr

Josef Girshovich

Amazon-Shoppen per Snapchat

Eine neue Art des Online-Shoppings ist im Anmarsch: Wie Bloomberg berichtet, haben E-Commerce-Riese Amazon und der Fotochat-Anbieter Snapchat eine Partnerschaft angekündigt. Snapchat-User nutzen die Kamera ihres Smartphones bisher, um „Snaps“, also kurz erscheinende Fotonachrichten, an ihre Freunde zu versenden. Nun können Nutzer der App die Kamera über ein verknüpftes Shopping-Tool auch zum Einkaufen einsetzen. Wird ein Foto von einem Barcode oder einem Produkt über die App aufgenommen und von der Amazon-Datenbank erkannt, erhält der Nutzer sofort einen entsprechenden Link, über den der Artikel gekauft werden kann. Derzeit ist die Shopping-Funktion noch einer kleinen Nutzergruppe in den USA vorbehalten, und es ist noch kein Datum für eine weitere Veröffentlichung bekannt. Neben Amazon verfügen sowohl ebay als auch Pinterest bereits über eine visuelle Suchfunktion, die mit der Smartphone-Kamera funktioniert. Wie die finanzielle Partnerschaft von Amazon und Snapchat gestaltet ist, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Deutscher Markt dämpft Innovation

Auf der Konferenz Future Proptech in Berlin wurden Themen rund um die digitale Disruption in der Immobilienwirtschaft diskutiert. Wie die Immobilien Zeitung berichtet, zeigten Proptech-Gründer sich trotz einer guten Finanzierungssituation leicht ernüchtert. Sowohl bundesweite Regulierungen als auch gesetzte lokale Marktstrukturen bremsten die Implementierung von neuen Digitalkonzepten in Deutschland aus. Während die Situation in vielen europäischen Regionen ähnlich aussieht, werde die Immobilienbranche von Entwicklern in China als Wachstumsfeld betrachtet. Die Abgeordnete der FDP Bettina Stark-Watzinger forderte im Rahmen der Konferenz die Einrichtung eines Digitalministeriums, um digitale Innovationen hierzulande in Zukunft besser voranzutreiben.

Ein Drittel weniger Bankmitarbeiter infolge von Digitalisierung

Dass die voranschreitende Digitalisierung auch im Bankensektor für Veränderungen sorgt, ist hinlänglich bekannt. Genauere Zahlen zum Ausmaß der Umbrüche gibt es aber selten. Über die aktuellen Ergebnisse einer Befragung von etwa 90 Banken durch die Münchner Personalberatung El-Net Group berichtet die Börsen-Zeitung. Für die Zukunft wird darin das „Drei-Drittel-Szenario“ als wahrscheinlich beschrieben. Demnach würde in sieben bis zehn Jahren etwa ein Drittel der 600.000 Beschäftigten im Bankensektor nicht mehr in der Branche arbeiten. Ein weiteres Drittel würde zwar im selben Sektor bleiben, jedoch nicht mehr im selben Aufgabenfeld wie bisher. Lediglich ein Drittel der derzeit Beschäftigten werde mittelfristig noch dieselbe Tätigkeit ausüben wie heute, so El-Net. Damit würde sich ein Trend der letzten Jahre fortsetzen: Seit dem Jahr 2000 ist etwa ein Viertel der Stellen in der deutschen Kreditwirtschaft weggefallen. Der El-Net-Vorstandsvorsitzende Eckhart Eller fordert im Hinblick darauf eine dringende Umstrukturierung in der Branche. Die Unternehmenskultur der Kreditinstitute stehe notwendigen Maßnahmen oftmals im Wege, so Eller.

Neue Technik für mehr Pünktlichkeit

40.000 Personen- und 5.000 Güterzüge pro Tag – das deutsche Schienennetz stößt an seine Grenzen. Im August lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr nur noch bei 69,8 Prozent, so niedrig wie noch nie. Eine neue Digitallösung soll nun vor allem an wichtigen Knotenpunkten für Entlastung sorgen. Das berichtete gruenderszene.de. Das ETCS-System ist auf transeuropäischen Korridoren bereits Pflicht und kommt auch in Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden schon großflächig zum Einsatz. ETCS optimiert die Abstände zwischen einzelnen Zügen durch kontinuierliche Datenübertragung und verbessert so die Kapazität des Netzes. Bislang ist in Deutschland nur ein Bruchteil der Strecken mit ETCS ausgestattet. Das liegt auch an den hohen Kosten: 30 bis 35 Milliarden Euro würde ein Komplettausbau in Deutschland laut Expertenaussagen erfordern. Zunächst wird bis 2025 daher eine überschaubare Streckenanzahl aufgerüstet, inklusive des Stuttgarter Hauptbahnhofs und der Schnellfahrtstrecke Köln-Frankfurt. Um die volle Finanzierung des Projekts zu klären, laufen derzeit Gespräche zwischen Vertretern des Bundes und Bahnunternehmen. Wann die „Digitale Schiene“ in Deutschland Alltag wird, ist also noch nicht entschieden.