Liebe Leserinnen und Leser,

swipen Sie noch oder leben Sie contact-less? Letzte Woche zahlte neben mir ein Gast im Flugzeug per Apple Watch, in London (wo ich herkam) tippt man kurz mit seiner Kreditkarte gegen das Lesegerät, ebenso wie in Thailand am Strand und in Tel Aviv in der Schawarma-Bude. Nur in Deutschland muss man selbst beim Italiener in Berlin-Mitte nach wie vor Bargeld dabeihaben und im Taxi zusätzliche Gebühren in Kauf nehmen, wenn man mit Karte zahlen will. Ist das noch zeitgemäß? Deutschland bringt durchaus das Know-how für den digitalen Wandel mit und exportiert diese Expertise weltweit, wie das Beispiel Wirecard zeigt, dem wir diese Woche unsere besondere Aufmerksamkeit widmen. Nur selbst nutzen sollen wir die Technologie nicht, meist aus vorgeschobenen Gründen wie der Datensicherheit. Haben denn deutsche Daten bzw. die Daten der Deutschen Sonderrechte? Wohl kaum. Es geht wie so oft um Pfründe und Kartelle der Alteingesessenen, für die jede Innovation nur eines bedeutet: kurzfristige Renditeeinbußen.

Bleiben Sie innovativ,

Ihr Josef Girshovich

Was macht eigentlich Wirecard?

Die Aufregung ist groß um das mögliche Ausscheiden der Commerzbank aus dem DAX. Ausführlich berichtete die FAZ dazu. Bemerkenswerter noch als diese Aussicht ist wohl das Unternehmen, das einen Platz unter den Top 30 einnehmen könnte: Wirecard. Der seit 2005 börsennotierte Münchner Finanzdienstleister konnte in den vergangenen Jahren beachtliche Erfolge verzeichnen, unterstützt durch die Übernahme diverser internationaler Zahlungsanbieter wie E-Credit Plus Pte. Ltd. (2009) Payment Link Pte. (2013), und 3pay (2014). Über den mobilen Zahldienst boon ermöglicht Wirecard es seinen Kunden, Zahlungen bankenunabhängig und digital, beispielsweise über ihre Smartwatch, zu tätigen. Wie it-times.de berichtet, habe Wirecard angekündigt, die bereits existierende Partnerschaft mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard weiter ausbauen zu wollen, und damit das kontaktlose Bezahlen über Wearables voranzutreiben. Über die sogenannte Fast-Entry-Regel könnte Wirecard nun der Sprung in den DAX gelingen. Voraussetzung dafür ist, dass das Unternehmen sich bis zum Erscheinen der neuen Rangliste am 5. September bei der Wertentwicklung mindestens auf Platz 25 hält. Derzeit hat Wirecard diesen Rang inne – mit einem knappen Vorsprung von vier Prozent vor Platz 26. Es bleibt also spannend.

Ungarns MKB Bank wagt den Sprung ins Digitale

Als erste Bank des Landes hat die ungarische MKB Bank mit der Einführung des Oracle-Flexcube-Systems ihre Prozesse gänzlich digitalisiert. Darüber berichtete crowdfundinsider. Die Bank verspricht sich von dem neuen System eine Beschleunigung ihrer internen Prozesse sowie eine Verbesserung der Servicequalität bei Dienstleistungen für Firmen- und Privatkunden. Etwa 600 Finanzeinrichtungen weltweit nutzen Oracle bereits. Bei der Umsetzung ihrer Digitalstrategie ging die MKB sehr zielstrebig vor. In kaum zweieinhalb Jahren konnte eine vollumfängliche Digitalisierung inklusive einer völligen Neustrukturierung des Kernbankensystems realisiert werden. Und das, obwohl die viertgrößte Bank Ungarns im Vergleich zu ihren Wettbewerbern über geringere Ressourcen verfügt.

Booking.com investiert 500 Millionen in chinesischen Uber-Konkurrent Didi

Deal News: Die Reiseplattform Booking.com investiert Berichten zufolge eine halbe Milliarde US-Dollar in den chinesischen Fahrdienst Didi Chuxing. Das meldete gruenderszene. Damit soll eine enge zukünftige Kooperation der beiden Milliardenunternehmen entstehen, mit strategischer Bedeutung für beide Seiten. Booking.com B.V. erhält durch die Zusammenarbeit einen direkten Zugriff auf den chinesischen Markt, da Didi-Kunden über ihre App direkt auf Angebote des Reiseportals zugreifen können. Für den Fahrdienst ist dieser Deal ein willkommenes Mittel, um weiter expandieren zu können. Booking kann die Dienste von Didi nun über sämtliche Portale von Booking.com B.V., darunter Booking.com, Kayak oder OpenTable, anbieten. Gleichzeitig bedeutet die Zusammenarbeit für kleinere Unternehmen mit Plänen für den chinesischen Markt noch größere Konkurrenz. Dadurch, dass Reisende ihren Fahrservice nun direkt über das Reiseportal mitbuchen können, könnte bei anderen Anbietern, wie dem Berliner Limousinen-Start-up Blacklane, die Kundschaft ausbleiben. An großen Partnern mangelt es Didi derweil nicht: Neben Booking.com sind auch Softbank und Apple an dem Unternehmen beteiligt.

Smart City Santander

Weltweit steigt die Zahl der Städte, die die Digitalisierung in die Praxis umsetzen. Am Beispiel der spanischen Küstenstadt Santander zeigt das Handelsblatt, welchen Nutzen ein Smart-City-Konzept haben kann, aber auch, welche Tücken es bei der Umsetzung zu beachten gibt. Seit 2010 sammelt die Stadtverwaltung von Santander große Datenmengen über Sensoren an Straßenlaternen, Müllcontainern, Wasserleitungen und Straßen. Die gesammelten Informationen werden vor allem von der Stadt und Dienstleistern genutzt, um Kosten und Zeit zu sparen. Das Projekt wird von der EU mitfinanziert, die bislang 107 Millionen Euro beigesteuert hat. Die größte Kostenersparnis erzielt die Stadt derzeit durch die Effizienzsteigerung bei der Müllentsorgung. Gleichzeitig ist die Bevölkerung vergleichsweise gering mit der „Smartifizierung“ ihrer Stadt vertraut. Die Stadt investiert daher verstärkt in Informationskampagnen, um Bürgern die verschiedenen Dienstleistungen näherzubringen und neue Gründer an den Standort zu locken. Wichtig sei außerdem, bürokratische Prozesse zu modernisieren, um die Digitalisierung des Stadtlebens voranzutreiben.