KOMMENTAR AM MONTAG

Mehr Bauland braucht das Land

Jürgen Michael Schick Präsident des IVD

In Deutschland braut sich eine massive Wohnungsnot zusammen. Die Politik hat das wahre Ausmaß dieses Problems immer noch nicht erkannt und setzt obendrein noch auf genau die falschen Instrumente zu seiner Behebung. Zwei aktuelle Studien machen das deutlich. Zum einen hat der IVD bei Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg eine Studie zur Wirkung der Flüchtlingskrise auf die langfristige Wohnimmobiliennachfrage in Deutschland in Auftrag gegeben. Mit der Studie haben wir endlich eine wissenschaftlich verlässliche Aussage, wie viele neue Wohnungen in Deutschland im Zuge der Flüchtlingskrise tatsächlich gebraucht werden. Prof. Raffelhüschen ist einer der renommiertesten Immobilienökonomen Deutschlands und ehemaliges Mitglied der Rürup-Kommission.

Knapp 500.000 neue Wohnungen pro Jahr erforderlich
Die Studie macht deutlich: Bisherige Prognosen zum Neubaubedarf waren viel zu passiv. Das Bundesbauministerium geht bislang davon aus, dass in Deutschland pro Jahr 350.000 neue Wohnungen gebraucht werden. Tatsächlich müssen bis 2020 jedes Jahr aber gut 494.000 Wohnungen neu entstehen. Die Bundesregierung unterschätzt den jährlichen Neubaubedarf somit um fast 150.000 Wohnungen.

Es besteht daher akuter Handlungsbedarf. Schließlich hinkt der aktuelle Wohnungsneubau diesem enormen Bedarf noch weit hinterher. Im vergangenen Jahr wurden 309.000 neue Wohnungen genehmigt. Das sind 191.000 Wohnungen zu wenig, wie sich jetzt herausstellt. Über eine Mio. Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Auf lange Sicht geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass weiterhin jährlich 200.000 Menschen nach Deutschland einwandern werden. Auf dieser Basis stellt die Studie von Prof. Raffelhüschen klar, dass der Wohnflächenbedarf bis zum Jahr 2060 nicht mehr unter das Niveau von 2016 fallen wird.

Während die Politik dieses Problem ohnehin schon unterschätzt, setzt sie obendrein auch noch auf das falsche Instrument zu dessen Bewältigung. Anstatt den Neubau auf effektivstem Wege zu forcieren, setzen Bund und Länder allzu oft schlicht auf die Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus. Anstelle von ursprünglich geplanten 518 Mio. Euro will Bauministerin Barbara Hendricks bis einschließlich 2019 über eine Mrd. Euro, vielleicht sogar zwei Mrd. Euro pro Jahr in den sozialen Wohnungsbau fließen lassen. Eine neue Studie von Prof. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln macht deutlich, warum das genau der falsche Weg ist.

Neue Bauflächen viel zu zögerlich ausgewiesen
Der Wohnungsneubau bleibt nicht aufgrund mangelnden Kapitals stecken. Vielmehr liegt dies daran, dass viel zu wenig Bauland ausgewiesen wird. Während die Nachfrage auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt über die vergangenen fünf Jahre hinweg immer weiter nach oben geklettert ist, wurden in den deutschen Ballungsräumen kaum mehr neue Bauflächen ausgewiesen als zuvor. In Berlin wurden im Jahr 2014 sogar ein Drittel weniger baureife Flächen verkauft als noch im Vorjahr. Wenn jetzt durch die aufgestockte soziale Wohnraumförderung noch mehr Kapital in den Markt gepumpt wird, geschieht vor allem eines: die Preise für Bauland explodieren. Neuer Wohnraum entsteht dadurch aber noch lange nicht.

Hinzu kommt, dass die soziale Wohnraumförderung nur sehr wenig treffsicher ist. Die Experten des IW Köln haben herausgefunden, dass nur 46 % der Haushalte in Sozialwohnungen wirklich förderbedürftig sind. Das liegt daran, dass die Bewohner ihre Bedürftigkeit nur einmal nachweisen müssen, um in eine Sozialwohnung einziehen zu können. Auch wenn sich ihr Status ändert, zum Beispiel durch ein gesteigertes Einkommen, können sie beliebig lange in der Wohnung bleiben.

Letztlich ist bei diesen Fehlbelegungen niemandem damit geholfen, dass das wenige Bauland, das dem Markt zur Verfügung gestellt wird, nur selektiv dem sozialen Wohnungsbau zugeführt wird. Damit werden über 80 % der Investoren systematisch ausgeklammert, die mit jeder Menge Kapital, Expertise und Willen zum Wohnungsneubau bereit stehen. Diesen Investoren müsste die Politik mit mehr ausgewiesenen Flächen unter die Arme greifen, anstatt sie auszugrenzen.

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MARKT-NEWS

Wohnraum schaffen mittels Dachaufstockung

Die IMMOBILIEN ZEITUNG berichtet am 20.7. ausführlich über Dachaufstockung als immer beliebtere Möglichkeit, schnell und günstig Wohnraum zu schaffen, oder ein attraktives Penthouse als Eigentumswohnung zu errichten. Die Zahl der Anträge sei stark gestiegen; dem Statistischen Bundesamt zufolge seien im vergangenen Jahr 52.300 neue Wohnungen durch Um- und Ausbau an bestehenden Wohngebäuden genehmigt worden. Das seien rund ein Sechstel aller im Jahr 2016 genehmigten Wohnungen (375.000) und der höchste Wert seit 1998. So sage Herzog-Smethurst von der DKW-Gruppe, sein Unternehmen berücksichtige angesichts des Grundstücksmangels bei Ankäufen mittlerweile immer das Nachverdichtungs- und Aufstockungspotenzial. In Berlin verdichte man bevorzugt die Riegel im Hinterhof nach oder setze auf Bestandsgebäude ein Stockwerk auf. Beliebt sei Aufstockung als wenig aufwendige Möglichkeit, die Zahl der Einheiten zu erhöhen, auch im Wohnportfolio- und Fondsmanagement. Wertgrund etwa sei schon seit geraumer Zeit hier und da im Dachausbau aktiv. „Aber jetzt, in Zeiten hoher Kaufpreise, ist das für uns natürlich immer interessanter geworden“, sage Timo Holland von Wertgrund. So habe sein Unternehmen in Ingolstadt 24 neue Einheiten durch Aufstockung errichtet und prüfe seinen gesamten Bestand auf Aufstockungsmöglichkeiten. In Wedel bei Hamburg und in Berlin plane man bis zu 35 neue Einheiten dieser Art. Für die Errichtung würden Kosten zwischen 2.400 Euro/qm bis 2.500 Euro/qm veranschlagt. Möglich seien Mieten zwischen 11,50 Euro/qm bis zwölf Euro/qm. Bislang stockt Wertgrund noch konventionell auf, sehe aber in der Systembauweise in Holz eine Alternative. Sowohl aus Gründen der Statik als auch hinsichtlich der Baugeschwindigkeit sei Holz ein idealer Baustoff. Die Deutsche Invest Immobilien (d.i.i.) habe 70 neue Wohnungen mittels Aufstockung dreier Liegenschaften in Essen und in Hamburg realisiert und plane weitere in Düsseldorf, Wedel und Hamburg-Fischbek.

Senioren werden selbständiger und anspruchsvoller

DIE WELT schreibt am 15.7. über die neuen Ansprüche der Senioren an Wohnangebote, und welche Lösung es bereits gibt, die diese Ansprüche befriedigen. So biete die DPF AG mit ihrer ‚Tertianum Premium Residence‘ in Berlin und weiteren Tertianum-Residenzen in Konstanz und München älteren Menschen selbstbestimmtes Wohnen auf höchstem Niveau. „Wir möchten unseren Bewohnern ein Zuhause voller Möglichkeiten bieten, so, wie viele von ihnen es bei ihren Aufenthalten in den besten Hotels der Welt kennen- und schätzen gelernt haben“, sage Felix von Braun von der DPF AG. Sein Unternehmen sehe in Seniorinnen und Senioren selbstbewusste Kunden mit hohen Ansprüchen und nicht alte, hilfsbedürftige Menschen. Doch auch jene, die sich gehobene Angebote nicht leisten könnten, hätten andere Ansprüche an ihr Wohnumfeld, als dies früher der Fall gewesen sei. Dies habe das Institut der deutschen Wirtschaft bei einer Umfrage unter Großstadtbewohnern im Alter zwischen 50 und 65 Jahren ermittelt. Diese könnten es sich mehrheitlich gut vorstellen, eine Wohnung in einem Mehrgenerationenhaus oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft zu beziehen. Experten von empirica bestätigten, dass auf eigenständige Wohnformen sehr großer Wert gelegt werde. Michael Held von Terragon weise darauf hin, dass einer Studie seines Hauses zufolge es nur gut 1 % der Gesamtbaukosten eines Wohngebäudes mehr koste, dieses barrierefrei zu gestalten: „Selbst nutzende Eigentümer profitieren vom Komfort bis ins hohe Alter, Vermieter von der besseren und längeren Vermietbarkeit.“ Großes Potenzial habe auch das Betreute Wohnen. 58 % der Seniorenhaushalte könnten sich Terragon zufolge eine monatliche Warmmiete von tausend Euro leisten.

Bündnis für bezahlbares Wohnen zieht Bilanz

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) haben beim letzten Treffen dieser Legislaturperiode eine gemischte Bilanz gezogen, berichtet die FAZ am 18.7. So seien eine Mio. Wohnungen gebaut, im vergangenen Jahr 100.000 Baugenehmigungen mehr als 2013 ausgestellt, die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau auf mehr als 1,5 Mrd. Euro verdreifacht und mit der Einführung der neue Baugebietskategorie ‚Urbanes Gebiet‘ eine der wesentlichsten Veränderungen seit Jahrzehnten vorgenommen worden. Doch sei man noch nicht da, wo man hinwolle, weshalb Hendricks für eine Grundgesetzänderung geworben habe, die dem Bund weiterhin den sozialen Wohnungsbau gestatte, und Kritik an Ländern geübt habe, die die für den Wohnungsbau vorgesehenen Mittel nicht auch dafür verwendet hätten. Auch das Scheitern des Gebäudeenergiegesetzes und die 16 unterschiedlichen Landesbauordnungen in Deutschland seien zu bemängeln.

Widerstand von Bürgern behindert Wohnungsbau

Über die Schwierigkeiten, die der Widerstand von Bürgern gegen Wohnbauprojekte bauwilligen Unternehmen bereitet, schreibt die FAZ am 18.7. Aufgrund des mangelnden Baulandes würden oft Nachverdichtungen vorgenommen, bei deren Umsetzung sich die jeweilige Anwohnerschaft durch Baulärm oder Sperrungen gestört fühle. Auch die Bebauung von Grün- und Freiflächen rufe oft Widerstand hervor. Betroffen seien einfache ebenso wie gehobene Wohnprojekte. Bei Projekten für einfache Wohnungen befürchteten Anwohner den Zuzug schwieriger Klientel, bei Premiumneubauten und -sanierungen hingegen einen Gentrifizierungsschub für ihren Stadtteil. Nur gezielte Kommunikation könne die Gemüter beruhigen helfen.

Die begehrtesten Standorte der Bundesrepublik

Das HANDELSBLATT berichtet am 17.7. im Rahmen der Serie zu den begehrtesten Standorten der Bundesrepublik ausführlich über den Leipziger Wohnungsmarkt und am 18.7. über Stuttgart. Die Bevölkerung Leipzigs sei seit dem Jahr 2000 um 70.000 auf 580.000 Bewohner angewachsen. Allein im vergangenen Jahr seien 11.000 Menschen zugezogen. 2016 seien die Kaufpreise für Eigentumswohnungen VDP Research zufolge um rund 6 % gestiegen, die Mieten um 4,7 %. empirica und CBRE zufolge liege die Leerstandsquote nur noch bei 5,3 %, nachdem sie 2008 noch doppelt so hoch gewesen sei. „In begehrten Stadtteilen wie dem Waldstraßenviertel, Gohlis, Schleußig, der Südvorstadt und Connewitz liegt die Leerstandsquote sicher unter zwei, wenn nicht sogar unter einem Prozent“, sage Christoph Gröner von der CG-Gruppe. Sein Unternehmen baue derzeit rund 500 Wohnungen in der Stadt, weitere rund 2.000 seien in Planung. Laut empirica müssten bis 2020 jährlich schätzungsweise 5.340 neue Wohnungen entstehen, um den Bedarf zu decken. Wertgrund hingegen habe mittlerweile alle seine Wohnungen in Leipzig verkauft. „Der Preisanstieg in den vergangenen Jahren ging uns einfach zu schnell. Ich glaube nicht, dass das noch fundamental begründet ist“, sage Thomas Meyer von Wertgrund. Andreas Polter von CBRE rechnet mit Preissteigerungen im Osten der Stadt, nachdem diese bislang in den westlichen Stadtteilen zu verzeichnen gewesen seien. In Stuttgart seien es vor allem die Premiumimmobilien, welche die Innenstadt für das HANDELSBLATT zum Trendviertel machten. Hier fänden auf sehr hohem Niveau weiterhin Preissteigerungen statt, die auch die Preise im Bestand weiter steigen ließen, letztere laut Ellwanger & Geiger um 15 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Nachfrage nehme schon allein aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl zu; in den letzten fünf Jahren sei sie um mehr als 38.000 auf jetzt 630.000 angestiegen. Normal verdienende Stuttgarter könnten sich ein freistehendes Eigenheim kaum noch leisten, in den vergangenen drei Jahren seien weniger als 10 % der neuen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern entstanden. In diesem Jahr habe sich der Preisanstieg dem städtischen Gutachterausschuss zufolge unverändert fortgesetzt, das erste Halbjahr 2017 sei von neuen Rekorden geprägt. Im Neubau sei im Q1 2017 erstmals ein Mittelwert von über 6.000 Euro/qm festgestellt worden, nachdem dieser Wert im Q1 2016 noch bei 5.365 Euro/qm gelegen habe. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage gehe weiter auseinander. Aufgrund der Kessellage verfüge Stuttgart nur über ein sehr begrenztes Entwicklungspotenzial, größere Neubaugebiete könnten nur noch durch die Umnutzung von Gewerbestandorten entwickelt werden.

Steigende Preise, sinkende Renditen

Einer neuen Statistik von vdp Research und der Stiftung Warentest zufolge sind die Kaufpreise im Jahr 2016 wieder deutlich gestiegen, in einigen Städten mit erneut beschleunigtem Tempo. Das schreibt DIE WELT am 19.7. So koste eine durchschnittlich ausgestattete Eigentumswohnung in Berlin in normaler Lage, wozu mittlerweile auch der Wedding oder Reinickendorf zählten, rund 3.800 Euro/qm. Insgesamt seien die Wohnungspreise in Berlin binnen des vergangenen Jahres um mehr als 11 % und seit 2011 um mehr als 50 % gestiegen, womit die Hauptstadt den deutschlandweiten Rekord halte. Noch etwas stärker als in Berlin seien im vergangenen Jahr die Wohnungspreisen in München gestiegen, obwohl das Preisniveau dort ohnehin schon sehr hoch sei. Die Renditen lägen dementsprechend oft nur noch bei effektiv 2 % pro Jahr. Die Preislagen aller 115 in der Studie untersuchten Städte und Kreise würden ausführlich in FINANZTEST 08/2017 dargestellt. Anders als für viele andere Preisstatistiken habe vdp reale Kaufpreise auf der Grundlage neu aufgenommener Hypothekenkredite ausgewertet. Auch im Q1 2017 seien die Preise weiter gestiegen, der vdp Preisindex habe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6 % zugelegt. Eigentumswohnungen hätten sich um 6,5 % verteuert, Neuvertragsmieten um 3,8 %. Trotzdem sei Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag von Accentro zufolge für viele Haushalte der Kauf einer eigenen Immobilie auf lange Sicht günstiger, als eine vergleichbare Wohnung oder ein Haus zu mieten.

Investitionen in Einzelhandelsimmobilien steigen

Nach den Erkenntnissen des Immobiliendienstleisters CBRE wurden im H1 2017 rund 6,3 Mrd. Euro in Einzelhandelsflächen investiert, 44 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das schreibt die FAZ am 21.7. Ein solches Ergebnis sei zuletzt 2015 erzielt worden. Auffallend sei, dass sich Investoren diesmal überwiegend abseits der sieben Metropolen orientiert hätten. Grund hierfür sei das mangelnde Angebot an erstklassigen Projekten in den Metropolen, der Anlagedruck vieler Investoren und der gute Ruf des Standortes Deutschland, aber auch die Attraktivität mancher Handelsimmobilien auch außerhalb der Zentren dank langfristiger Mietverträge und bonitätsstarken Mietern sowie der Rückgang der Neubautätigkeit. Auf die Investitionen in Einzelhandelsflächen habe das laut Hans-Joachim Lehmann von Warburg-HIH Invest Real Estate die gleichen Auswirkungen wie bei anderen Immobilienklassen, wobei die Renditen mit 3,5 % bis 4,5 % noch relativ hoch seien, was die Attraktivität der Investments noch steigere. Einzig der dynamische Onlinehandel könne den Wert mancher Einzelhandelsfläche sinken lassen. Knapp 10 % des Einzelhandelsumsatzes entfielen auf Onlinehändler. Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung gehe davon aus, dass für den Zeitraum 2016 bis 2020 mit einem Anstieg des nominalen Einzelhandelsumsatzes um 7,6 % zu rechnen sei, wovon aber voraussichtlich nur 2,2 % auf den stationären Handel entfallen würden. Diese Verschiebungen würden gravierende Auswirkungen auf die Einzelhandelsbranche und die entsprechenden Immobilien haben, vor allem in Klein- und Mittelstädten. „Gewinner werden die 12 bis 15 Top-Städte und dort die Top-Lagen sein“, sage Frank Emmerich von CBRE. Doch auch dort werde es einen Wandel geben, etwa durch mehr Läden mit „Show-Room-Charakter“, prognostiziere Lehmann von Warburg-HIH.

Banken orientieren sich Richtung Frankfurt

Die Deutsche Bank bereitet sich auf einen harten Brexit und somit darauf vor, in Zukunft einen Großteil ihrer Geschäfte nicht mehr in London, sondern am Heimatstandort Frankfurt zu verbuchen. Das schreiben das HANDELSBLATT und die FAZ am 21.7. Der Ausstieg der Briten aus der EU werde unvermeidlich zu Personalverlagerungen aus London führen. Die Bank plane ein neues Buchungszentrum für den Wertpapierhandel in Frankfurt, wo große Teile des Europageschäfts mit Firmenkunden abgewickelt werden sollten. Auch die damit verbundenen Überwachungs- und Kontrollaufgaben sollen künftig in Deutschland erledigt werden. Die FAZ berichtet, dass auch die Citigroup sowie, eigenen unkommentierten Informationen zufolge, Morgan Stanley nach Frankfurt expandieren wollten. Letztere hätten mehrere Etagen in dem neuen Hochhaus Omniturm angemietet. Goldmann Sachs habe angekündigt, seine Mitarbeiterzahl in Frankfurt zumindest zu verdoppeln. Da in der Frankfurter Innenstadt zwar mehrere Hochhäuser gebaut, jedoch nur wenige davon noch rechtzeitig vor dem offiziellen Vollzug des Brexit im Frühjahr 2019 fertiggestellt würden, steige der Druck auf die Banken, entsprechende Mietverträge abzuschließen. Carsten Ape von CBRE berichtet von diversen Verhandlungen mit Finanzhäusern, die auf der Suche nach Frankfurter Büroflächen sind. Derzeit stiegen die Mieten noch nicht, doch 2018 und 2019 sei Ape zufolge mit Steigerungen um 5 % bis 10 % zu rechnen.

Hotelinvestmentmarkt legt Verschnaufpause ein

Im Q2 2017 sind die Transaktionen von Hotelimmobilien im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal aufgrund mangelnden Angebotes zurückgegangen, schreibt die IMMOBILIEN ZEITUNG am 20.7. Colliers nenne für das H1 2017 ein Transaktionsvolumen von gut 1,7 Mrd. Euro (davon rund 700 Mio. im Q2 2017) und CBRE von 1,79 Mrd. Euro (davon rund 679 Mio. Euro im Q2 2017). Der Handel mit Hotelpaketen sei zurückgegangen, während zugleich die Zahl der Einzeltransaktionen CBRE zufolge um fast 10 % auf 68 Transaktionen zugelegt habe. Mit einer Abkühlung sei dennoch nicht zu rechnen, da die Investoren vermehrt auf Projektentwicklungen auswichen, einige größere Deals kurz vor dem Abschluss stünden und mehrere Fonds aufgelegt worden seien, um in Hotels zu investieren.

Preissteigerungen in Rheinland-Pfalz verlangsamen sich

Wie die IMMOBILIEN ZEITUNG am 20.7. schreibt, hat sich der Immobilienmarkt Rheinland-Pfalz dem Preisspiegel 2017 des IVD West zufolge leicht abgekühlt. Binnen eines Jahres hätten sich Eigentumswohnungen um 5,8 % und Einfamilienhäuser um 4 % verteuert. Die Mieten seien um 3,5 % gestiegen. „Es sind immer noch deutliche Steigerungen, aber in vielen vorangegangenen Jahren hatten wir Preis- und Mietzuwächse um zweistellige Prozentwerte“, sage Jürgen Vogt vom IVD West. In Mainz, Trier und Landau lägen die Zuwachsraten weiterhin durchschnittlich im zweistelligen Bereich. Die Preise für Gewerbeimmobilien seien praktisch gleich geblieben, die Büromieten im landesweiten Durchschnitt um rund 2 % gestiegen.

Steigende Immobilieninvestitionen in Norddeutschland

Wie DIE WELT am 21.7. schreibt, ist die Nachfrage nach Förderdarlehen für Bau, Kauf, Modernisierung oder Sanierung von Häusern und Wohnungen der Investitionsbank Schleswig-Holstein zufolge im Norden Deutschlands deutlich gestiegen. Im H1 2017 habe das Institut seinen Kunden mit 474,2 Mio. Euro rund 49,2 Mio. Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum bereitgestellt.

Kölner Büromietmarkt erzielt respektables Ergebnis

Wie die IMMOBILIEN ZEITUNG am 20.7. schreibt, hat der Kölner Büromietmarkt aufgrund des mangelnden Angebotes im H1 2017 mit einem zwar sehr respektablen Ergebnis, aber unterhalb der Spitzenumsätze des Vorjahreszeitraums abgeschlossen. Greif & Contzen melde einen Vermietungsumsatz von rund 160.000 qm, BNPPRE nenne 158.000 qm und Savills 153.500 qm. Einige Marktbeobachter hielten bis zum Jahresende einen neuen Spitzenwert, also mehr als 2,2 Mrd. Euro, wie sie im Jahr 2015 erzielt worden seien, für möglich.

FONDS- UND FINANZ-NEWS

Handel und Gastronomie werden beliebter

Der BVI IVESTMENTSTATISTIK zum Stichtag 31.5. zufolge haben die Fondsgesellschaften Ende Mai 2017 in Immobilienfonds ein Nettovermögen von 161,5 Mrd. Euro verwaltet. Davon seien 88,4 Mrd. Euro auf offene Publikumsfonds, 70,6 Mrd. Euro auf offene Spezialfonds, 1,4 Mrd. Euro auf geschlossene Publikumsfonds und 1,1 Mrd. Euro auf geschlossene Spezialfonds entfallen. Ein Blick auf die offenen Immobilienfonds zeige, dass Spezialfonds und Publikumsfonds den Anteil von Büro und Praxisräumen in den letzten beiden Jahren reduziert und im Bereich Handel und Gastronomie ausgebaut hätten. Bei den Spezialfonds seien 38 % auf Büro und Praxis und 30 % auf Handel und Gastronomie entfallen. Der Anteil der Wohnimmobilien sei von 6 % auf 9 % gestiegen.

Warburg-HIH Invest Real Estate setzt auf Club Deals

Die BÖRSEN ZEITUNG schreibt am 20.7. über das Spezialfondsgeschäft von Warbug-HIH Invest Real Estate. Wie Alexander Eggert von Warburg-HIH Invest Real Estate GmbH im Gespräch mit der Zeitung gesagt habe, wünschten institutionelle Investoren, größeren Einfluss auf die Immobilienfonds zu nehmen, in die sie investiert seien. Deshalb bevorzugten sie Club Deals mit größeren Objekten und maximal drei Anlegern, was sein Unternehmen bewogen habe, seit einiger Zeit verstärkt Immobilienfonds als Club Deals aufzulegen. Früher habe es vorwiegend Pool-Fonds mit bis zu 20 Anlegern gegeben. Um gute strategiekonforme Immobilien zu finden, sei der Assetmanager paneuropäisch aufgestellt und habe kürzlich eine Niederlassung in Wien eröffnet.

VERSCHIEDENES

Die Auswirkungen der Digitalisierung

Über den Wandel, der infolge der Digitalisierung auf die Personalabteilungen zukommt, sprechen Alexander von Erdély und Thomas Herr von CBRE im Interview mit der IMMOBILIEN ZEITUNG am 20.7. ausführlich. Ihr Unternehmen setze mittlerweile digitale Grundkompetenzen voraus, sage von Erdély. Tatsächlich sei als vierte Basisqualifikation neben kaufmännischem, technischem und juristischem Know-how die Verarbeitung von Daten vonnöten, sage Herr. Deshalb habe CBRE eine Führungsposition für die Implementierung seiner digitalen Strategie in Deutschland neu besetzt und Softwareentwickler eingestellt, anstatt diese Dienstleistungen einzukaufen oder mit Freelancern zu arbeiten, und investiere viel in Datenbanken und digitale Tools.

US-amerikanische Immobilieninvestments sind empfehlenswert

Thomas Gütle von der US Treuhand schreibt in CASH 8/2017 über die guten Ertrags- und Anlagemöglichkeiten am Immobilienmarkt der USA. Gerade aufgrund der Tatsache, dass europäische Investments in Immobilien mit US-amerikanischen Investments deutlich weniger korrelierten als mit asiatischen, mache sie unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung attraktiv, zumal das Land weltweit der größte und wichtigste Standort für Immobilieninvestments sei. Zu empfehlen sei, einen Anteil von mindestens 20 % an US-Immobilien in jedes international diversifizierte Portfolio aufzunehmen.

Termine

HAMBURGER IMMOBILIENRUNDE

Sonderveranstaltung: Wohnungsprojekte in Hamburg - und besondere Chancen in der Metropolregion

ZIELGRUPPEN
Das Seminar richtet sich insbesondere an Institutionelle Investoren und Family Offices, die bzw. der Hamburger Metropolregion in den Wohnungsneubau investieren wollen, weitere Bauträger/Projektentwickler, Banken und andere Finanzierer, Makler/Transaktionsberater/Vertriebe und Architekten

THEMEN
Die Referenten stellen aktuelle und geplante Wohnungs-Neubau-Projekte in Hamburg und der Metropolregion vor und sprechen über folgende Themen: Welches sind die Alleinstellungsmerkmale der Projekte / Besonderheiten der Architektur / Grundrisse etc.? Wie verliefen die Genehmigungsprozesse bzw. die Abstimmung mit den Behörden? Wer sind die Käufer? Selbstnutzer, Anleger, institutionelle Investoren? Wie erfolgt die Vermarktung? Welche Preise sind erzielbar? (qm-Preise, Faktoren bei Forward-Deals) Wann erfolgte der Grundstückskauf? Wann gab es das Baurecht? Wie schnell erfolgt der Abverkauf? Außerdem geht es um die Inanspruchnahme von Fördermitteln / Förderprogramme sowie Fragen zu Kommunikation / PR und Marketing. Begrüßung und Einführung durch Dr. Dr. Rainer Zitelmann.

REFERENTEN
Einleitender Vortrag durch Dr. Joseph Frechen (bulwiengesa AG): Aktuelle Marktentwicklung, Preise und Mieten am Hamburger Wohnungsmarkt. Projektvorstellungen von Mark Tommes (Bonava Deutschland GmbH), Torsten Lietz (Waterbound Real Estate GmbH (WBRE)), Fabian von Köppen / Georg Nunnemann (Garbe Immobilien-Projekte GmbH), Achim Nagel (PRIMUS developments GmbH), Torsten Rieckmann (SENECTUS GmbH), Ludger Inholte (LIP Ludger Inholte Projektentwicklung GmbH), Peter Jorzick (Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklungen GmbH), Henrik Diemann (Metropol Grund GmbH), Konstantin Klein (PROJECT Immobilien Hamburg GmbH), Davis Liebig / Joachim Rieder (MAGNA Immobilien AG), Albrecht Sonnenschein (Instone Real Estate Development GmbH & Co. KG)

TERMIN
Die Sonderveranstaltung findet am 12. September 2017 im Steigenberger Hotel in Hamburg statt. Programm anfordern unter: info@immobilienrunde.de

BERLINER IMMOBILIENRUNDE in Kooperation mit der IREBS Immobilienakademie

Sonderveranstaltung Basisseminar: Projektentwicklung

ZIELGRUPPEN
Das Seminar richtet sich insbesondere an neue Mitarbeiter bei Projektentwicklungsunternehmen, die aus anderen Bereichen (oder direkt von der Uni) kommen und die sich an zwei Tagen einen Gesamtüberblick über die Tätigkeit eines Projektentwicklers verschaffen wollen. Es richtet sich aber auch an Mitarbeiter von Ingenieurbüros, Architekten, Finanzierer, Investoren (besonders solche, die Forward-Deals von Projektentwicklern kaufen), Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Mitarbeiter von Generalunternehmern / Bauunternehmen. Alle Teilnehmer bekommen eine Teilnahmebestätigung der IREBS Immobilienakademie.

REFERENTEN
Prof. Dr. Ulrich Schütz, Drees & Sommer und Carsten Sellschopf, formart GmbH & Co. KG

THEMEN
Erster Tag: „Grundlagen der Projektentwicklung und Projektmanagement“: Projektentwicklung / Projektmanagement (Ablauf und Leistungsbilder); Standortanalyse / Due Diligence (Baurecht; Grundstücksanalyse); Planungskonzepte (Untersuchung vorhandener Bausubstanz; Nutzungskonzepte/Bedarfsplanung; Bildung von Gebäudemodellen); Kosten- und Terminplanung (Grundleistungen nach HOAI; Baukostenplanung in der Projektentwicklung; Rahmenterminplanung) Start der Projektmanagementaktivitäten (360°-Analyse als Einstieg; Objektplanung – durch wen? Projektorganisation – ist alles geregelt? Zweiter Tag: „Die Arbeit eines Projektentwicklers und einfache Developerrechung“: Aufgaben eines Projektentwicklers (Grundlagen; Definition; Klassische Aufgaben); Idealtypischer Ablauf einer Projektentwicklung (Prozessuale Aspekte; Idealtypischer Ablauf einer Projektentwicklung); Der Markt für Projektentwickler (Typen; Strategien; Marktfaktoren); Machbarkeitsstudien (Standort- und Marktanalyse; Wettbewerbsanalyse; Analyse des Nutzungskonzepts); Kalkulationsmodelle in der Projektentwicklung (Von der „Bierdeckel-Kalkulation“ bis zur dynamisches Developer-Rechnung). Einführung und Moderation durch Dr. Dr. Rainer Zitelmann.

TERMIN
Die Sonderveranstaltung findet am 26. und 27. September 2017 im Steigenberger Hotel Hamburg statt. Weitere Informationen zum Programm und den Kosten sowie Anmeldeformular unter: hier